Hus-jubilaeum-logo250Am 6. Juli 1415 war in Konstanz der böhmische Reformator Jan Hus als Ketzer hingerichtet worden. Jan Hus hatte in Prag studiert und war dort auch als Rektor tätig. Zehn Jahre predigte er in der Bethlehemskapelle und setzte sich für eine Reform der Kirche ein. Im Sommer 1415 wollte er vor dem Konstanzer Konzil seine Lehre verteidigen, wurde jedoch aufgefordert, diese zu widerrufen. Er weigerte sich und wurde als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Ein ökumenischer Gottesdienst in Anwesenheit von Bundespräsident Joachim Gauck in Konstanz am 28. Juni 2015 bildete den Auftakt der Gedenkveranstaltungen anlässlich des 600. Todestages von Jan Hus. Die Hus-Feierlichkeiten 2015 in Prag am 5./6. Juli bilden den Höhepunkt für die besondere Erinnerungskultur im 600. Todesjahr des tschechischen Reformators Jan Hus. Der in Tschechien arbeitsfreie Feiertag am Montag, 6. Juli, beginnt mit einem Festumzug vom Altstädter Ring um 9:00 Uhr, wo auch um 17:00 Uhr zu einem Ökumenischen Gottesdienst eingeladen wird. Weiterhin gibt es die Übergabe der Glocke „Meister Jan Hus“ an der Bethlehemskapelle und darin um 15:00 Uhr einen traditionellen Gottesdienst zum Gedenken an Meister Jan Hus. In der Kirche St. Nikolaus (Altstädter Ring) wird Jan Hus in Vorträgen historisch betrachtet. Weitere Vorträge, Podiumsdiskussionen, Konzerte und ein Pilgerprogramm folgen. Das Fest endet im Repräsentationshaus am Platz der Republik (Námestí Republiky) um 19:30 Uhr. Während des festlichen Abends mit dem Prager Symphonieorchester und der Premiere der Komposition „Credo mistra Jana Husa“ (Das Bekenntnis des Meisters Jan Hus) von J. Krcek werden auch Goldmünzen vorgestellt, die von der Tschechischen Nationalbank zum 600. Todestag von Meister Jan Hus herausgegeben werden. Bereits am 15. Juni 2015 empfing Papst Franziskus eine kirchliche Delegation aus der Tschechischen Republik. Papst Franziskus würdigte Jan Hus in seiner Rede an die Kirchenvertreter als einen bedeutenden Prediger und Reformator der Kirche. Er brachte die Worte von Papst Johannes Paul II. in Erinnerung, der bei einem Symposium in Rom im Dezember 1999 sein „tiefes Bedauern über den grausamen Tod, zu dem Jan Hus verurteilt wurde“ zum Ausdruck gebracht hatte. Franziskus betonte, dass es weiterhin nötig sei, die Persönlichkeit und Tätigkeit von Jan Hus zu studieren, da Hus heute nicht mehr Gegenstand von Zwietracht unter Christen sei, sondern Ansporn zum Dialog. Die Delegation wurde geleitet von Kardinal Vlk, dem päpstlichen Delegaten für das Hus-Gedenkjahr, von Synodalsenior Joel Ruml von der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder und von Patriarch Tomáš Butta von der Tschechoslowakischen Hussitischen Kirche.
Die EKD-Lutherbotschafterin Margot Käßmann, die an den Gedenkfeierlichkeiten teilnimmt, hat vor ihrer Abreise nach Prag auf Gemeinsamkeiten des böhmischen Reformators mit Martin Luther (1483-1546) hingewiesen. „Es ging den beiden um gebildeten Glauben. Und das ist hochaktuell in einer Zeit, die mit Fundamentalismus zu kämpfen hat“, sagte Käßmann, die als Botschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das 500. Reformationsjubiläum im Jahr 2017 wirbt, am Samstag. Hus und Luther hätten beide Kritik am Zustand der Kirche in ihrer Zeit geübt, indem sie Korruption und Ablasshandel anprangerten. „Allein die Bibel sollte religiöse Autorität haben und allein Christus sollte im Zentrum des Glaubens stehen“, sagte Käßmann. Beiden sei es um das „an der Bibel geschärfte Gewissen des Einzelnen“ gegangen. Jan Hus (um 1370-1415) zähle neben Martin Luther und Johannes Calvin (1509-1564) zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Reformationszeit. Die Reformation sie eine Erneuerungsbewegung, die von vielen getragen worden sei und schon im 15. Jahrhundert begonnen habe. Deshalb werde es im Jahr 2017 auch „keinen deutschen Luther-Kult geben, sondern ein internationales Reformationsjubiläum“. Reformation werde „als Prozess erkennbar, der lange vor Luther und seinen Mitstreitern begann und bis heute fortdauert“.

KA/epd kfr