160616 Andruck LutherbibelDer Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat Nichtchristen dazu ermutigt, sich mit der Bibel zu beschäftigen. Sie könnten dort „wunderbare Geschichten finden und große Entdeckungen machen“, sagte er dem „Reutlinger General-Anzeiger“. Bedford-Strohm erinnerte an den Schriftsteller Bertolt Brecht (1898-1956), der die Bibel als sein Lieblingsbuch bezeichnet hatte.

Die neue Revision der Lutherbibel, die an diesem Donnerstag in Nördlingen angedruckt werden sollte, sei an vielen Stellen zurück zur ursprünglichen Übersetzung Martin Luthers von 1545 gegangen, erläuterte Bedford-Strohm, der auch bayerischer Landesbischof ist. Insgesamt habe es an 40 Prozent der Verse Änderungen gegeben.

Die neue Lutherbibel ist dem evangelischen Altbischof Christoph Kähler zufolge näher an der Sprache des Reformators als frühere Übersetzungen. „Wir kehren oft zu Luther zurück, die Sprache und Poesie Luthers soll erkennbar bleiben“, sagte der frühere Thüringer Landesbischof und Leiter des Lenkungsausschusses zur Durchsicht der Lutherbibel. Kähler, der für die sprachliche Überarbeitung verantwortlich ist, nannte als Beispiel einen Vers aus Psalm 42. In der neuen Lutherbibel heißt es jetzt wieder: „Wie ein Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele Gott zu Dir“. Bei der Bibelrevision aus dem Jahr 1984 war am Versanfang schreien durch lechzen ersetzt worden.

Bei der Revision sind neue Erkenntnisse der Bibelwissenschaften berücksichtigt worden. Deutliche Eingriffe haben die Bibelrevisoren bei den Apokryphen, also den Texten, die nicht zum biblischen Kanon zählen, vorgenommen. Die neue Übersetzung dieser Schriften basiert nun auf verlässlicher wissenschaftlicher Grundlage. Schätzungen zufolge weist die neue Lutherbibel im Alten und Neuen Testament rund 12.000 veränderte Bibelverse auf.

In beiden großen Kirchen kommen in diesem Jahr die Überarbeitungen der Heiligen Schrift zum Abschluss. Zum Reformationstag 2016 wird die neue Lutherbibel offiziell mit Gottesdienst und Festakt eingeführt, sie löst dann die Fassung von 1984 ab. Auf katholischer Seite soll bis dahin die Überarbeitung der Einheitsübersetzung vorliegen. Zu ökumenischen Anlässen können und sollen beide Übersetzungen genutzt werden.

Von den Jubiläumsveranstaltungen zu 500 Jahren Reformation erhofft sich der Ratsvorsitzende, dass die Menschen die Botschaft des Evangeliums neu entdecken. Im Leben komme es nicht auf Selbstoptimierung und Erfolg an, sondern „dass ich mich von Gott mit allen meinen vielleicht auch dunklen Seiten angenommen wissen darf“. Bei der Erinnerung an den Reformator Martin Luther werde keine Heldenverehrung oder protestantische Selbstbeweihräucherung betrieben, vielmehr wolle die Kirche heute wie damals auf Jesus Christus hinweisen. Das könne sie nur ökumenisch tun, betonte Bedford-Strohm zum bevorstehenden 500. Jahrestag der Veröffentlichung der 95 Thesen Luthers im nächsten Jahr.

epd lbw kfr cez fu (KA)