Plakat zur GV 2016Unter dem Motto „Friede in einer gefährdeten Welt“ fand vom 27. bis 29. Oktober 2016 die 108. Generalversammlung im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Berlin statt.

Die Präsidentin des Evangelischen Bundes, Gury Schneider-Ludorff, Professorin für Kirchengeschichte in Neuendettelsau, eröffnete am Donnerstagnachmittag (27. Oktober) die Tagung zum Thema „Friede in einer gefährdeten Welt“ im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Berlin. Geplant und durchgeführt wurde sie in Kooperation mit der Evangelischen Seelsorge in der Bundeswehr. Militärbischof Dr. Sigurd Rink (Vizepräsident des Evangelischen Bundes) begrüßte die gut hundert Versammelten mit einem Überblick über das Tagungsprogramm.

Bischof Rink erinnerte auch daran, dass die Tagung des Evangelischen Bundes am selben Ort stattfand, wie die Verhandlungen am „Runden Tisch“ über die deutsche Einheit 1989-1990.

Überblick über Ökumenische Themen

Nach dem Tätigkeitsbericht des Instituts durch Direktorin Dr. Mareile Lasogga gaben die Referenten des Konfessionskundlichen Instituts Bensheim einen Ökumenischen Lagebericht:

Fachreferent Dr. Paul Metzger machte in seinem Beitrag darauf aufmerksam, dass heute oftmals sozialethische Probleme zu Differenzen zwischen den Konfessionen führen. Die Konfliktlinien verlaufen dabei nicht nur entlang der klassischen Konfessionsgrenzen, sondern oft mitten durch eine einzelne Konfession hindurch. Metzger ging außerdem näher ein auf die Ablehnung der Frauenordination in der Katholischen Kirche. Zugleich werte Papst Franziskus das Frauendiakonat durch den Hinweis auf ihre altkirchlichen Grundlagen deutlich auf. Dass Papst Franziskus konfessionsverschiedenen Paaren in der Frage einer gemeinsamen Teilnahme an der Eucharistie nahegelegt hat, ihrem Gewissen zu folgen, deutete Metzger als Ausdruck „konfessionellen Ungehorsams“.

Fachreferent Martin Bräuer berichtete über strukturelle Entwicklungen innerhalb der katholischen Kirche. Auch in der Ökumene mit der Altkatholischen Kirche gebe es positive Neuigkeiten zu vermelden. Diese erkenne die evangelische Konfirmation nun als gleichwertig mit ihrer Firmung an. Damit ist die gegenseitige Zulassung zum Patenamt verbunden.

Stellvertretend für Gisa Bauer berichtete Bräuer vom sogenannten „Panorthodoxen Konzil“ auf Kreta. Dieses sei jedoch nur eingeschränkt erfolgreich gewesen, nachdem die russische Kirche wie auch drei andere orthodoxe Kirchen kurz vor Beginn ihren Rückzug erklärt hatten.

Dr. Matthias Meyer sprach zur weltweiten Ökumene und ging in diesem Zusammenhang näher auf Impulse der Orthodoxen Kirchen im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) ein. Im Anschluss an eine jüngere Veröffentlichung von Jürgen Moltmann bezeichnete Meyer den ÖRK als eine „Gemeinschaft der Hoffnung“ und erinnerte an die Basisformel des ÖRK.

Gottesdienst und festlicher Empfang des Militärbischofs

Um 18 Uhr fuhren die Tagungsteilnehmenden mit Bussen zur Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Im Gottesdienst griff Militärbischof Rink in seiner Predigt Matthäus 22 auf („Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist“) und hielt ein Plädoyer für verantwortungsethische Bildung in der Bundeswehr. Im Anschluss an den Gottesdienst lud Militärbischof Rink zum Begrüßungsabend in der Dienststelle der Ev. Seelsorge in der Bundeswehr ein. Dort auf dem Podium diskutierten der Leiter der Theologischen Abteilung Dr. Dirck Ackermann, Dr. Sigurd Rink und Oberst Prof. Dr. Matthias Rogg über die Bedeutung der Seelsorge in der Bundeswehr. Ein wichtiges Thema des Gesprächs war die Bedeutung rechtserhaltender Gewalt.

Freitag: „Ob Kriegsleute auch im seligen Stand sein können – Luthers Militärtheologie“ / „Perspektiven deutscher Sicherheitspolitik“

Passend zum Thema der Tagung begann der zweite Tag mit einer Bibelarbeit zum fünften Gebot („Du sollst nicht töten“). Theologin Prof. Dr. Dorothea Wendebourg (Berlin) hielt anschließend den ersten von zwei Hauptvorträgen zum Thema: Luthers Militärtheologie oder die Frage, ob Kriegsleute auch im seligen Stand sein können. Wendebourg betonte, dass Luther im Gegensatz zur antiken und mittelalterlichen Ansicht keine unterschiedlichen ethischen Maßstäbe für Christen im geistlichen und politischen Bereich anlegt. Auch für Christen sei die Teilnahme am Krieg unter der Voraussetzung eines Verteidigungskrieges erlaubt. Im Falle eines sog. „gerechten Krieges“ zur Erhaltung des Friedens seien auch Christ angehalten, an Kampfhandlungen teilzunehmen.

Ministerialdirigent Dr. Rüdiger Huth sprach im Anschluss über „Perspektiven deutscher Sicherheitspolitik“. Anhand des neuen „Weißbuchs“ der Bundesregierung zum Thema erläuterte er die sicherheitspolitischen Perspektiven vor dem Hintergrund der gewandelten Sicherheitslage der letzten 10 Jahre. Diese gebiete eine stark vernetzte Zusammenarbeit in Europa und mit den Bündnispartnern sowie ein starkes Engagement für den Erhalt der regelbasierten internationalen Ordnung. Huth machte zudem darauf aufmerksam, dass die Partner der Bundeswehr mit der Erwartung begegnen, ihren Beitrag zum Erhalt dieser Ordnung auch in deren Ländern zu leisten.

In Workshops hatten die gut hundert Teilnehmenden aus dem ganzen Bundesgebiet Gelegenheit, das Tagungsthema in Workshops zu vertiefen. James Jakob Fehr vom Deutschen Mennonitischen Friedenskomitee (DMFK) in Bammental referierte aus mennonitischer Perspektive zu „Gewalt und Gewalten im Konzept des Gerechten Friedens. Eine friedensethische Annäherung an das „Just Policing“. Dr. Martina Fischer als Referentin von Brot für die Welt stellte das Thema „Friedenspolitische und friedensethische Herausforderungen in der Entwicklungspolitik“ vor. Über „Bundeswehreinsätze in einer multikulturellen Welt“ referierte der Interkulturelle Einsatzberater in der Bundeswehr, Arno Tappe. Und die vielfältigen „Herausforderungen im deutsch-russischen Dialog der Kirchen“ zeigte Martin Illert, Oberkirchenrat und Referent für Orthodoxie in Hannover, auf.

Samstag: „Forum Junge Theologie“

Der Samstagvormittag diente der Auseinandersetzung mit junger evangelischer Theologie. Jakob Fuchs, Stuttgart stellte sein Promotionsthema „Ernst Troeltsch 1914-1918: Religion, Politik und der Erste Weltkrieg“ ebenso vor wie Andrea Huber, Ludwigshafen „Das Verhältnis von Staat und Kirche am Beispiel der Neuapostolischen Kirche in der DDR“. Über den koptischen Papst Schenuda III referierte Matthias Gillé, Wiesloch. Pfarrer Daniel Lenski ging in seinem Vortrag über die evangelisch-lutherische Kirche in Chile 1975 schließlich die Frage nach: „Wie politisch darf Kirche sein?“