Gelingende Ökumene braucht gründliche Theologie

Albert-Pellens-Preise 2017 an theologischen Nachwuchs verliehen

 

Hannover. Am Samstag, 23. September wurden die Albert-Pellens-Preise des Evangelischen Bundes (EB) Hannover verliehen. Mit diesem Hochschulpreis werden herausragende Studienarbeiten aus dem Bereich der Evangelischen Theologie gewürdigt, die das ökumenische Verständnis zwischen den Kirchen fördern und der Klärung der je eigenen konfessionellen Position dienen. Der Vorstand des Landesverbandes EB Hannover hatte dazu in die Begegnungsstätte der katholischen City-Arbeit [ka:punkt] in der Innenstadt eingeladen.
Neben der diesjährigen Preisträgerin und dem Preisträger, vielen Angehörigen und Freunden sowie zahlreichen Mitgliedern des EB nahm auch Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann an der Feier teil. Der leitende Geistliche betonte, dass evangelisches Profil und ökumenische Ausrichtung kirchlichen Handelns immer zusammengehörten. Für ihn sei die Veranstaltung im katholischen ka:punkt ein besonders schönes ökumenisches Ereignis:

»Bei der Verleihung der Albert-Pellens-Preise für den theologischen Nachwuchs bin ich sehr gerne dabei. Gerade weil damit Studierende ausgezeichnet werden, die sich mit dem Zusammenleben der christlichen Konfessionen auseinandersetzen.«

Über eine Auszeichnung, verbunden mit einem Preisgeld in Höhe von 500 Euro, konnte sich Lisa Lambers aus Osnabrück freuen. Die Lehramtsstudentin mit den Studienfächern Evangelische Theologie und Anglistik hatte ihre Bachelorarbeit einer altreformierten Katechismusauslegung aus der Zeit des Nationalsozialismus gewidmet. Motivation war ihre eigene konfessionelle Herkunft. Die angehende Lehrerin stammt aus einer altreformierten Kirchengemeinde in der Grafschaft Bentheim. So untersuchte Lambers anhand von Egbert Kolthoffs »Kurzer Erklärung des Heidelberger Katechismus« aus dem Jahr 1937 die Haltung der Evangelisch-altreformierten Kirche zum Nationalsozialismus.
Eine weitere Auszeichnung, dotiert mit 750 Euro, ging an Mathias Hartewieg. Der gebürtige Bad Harzburger hatte sich mit einer theologischen Hauptseminararbeit im Fach Historische Theologie beworben. Hartewieg, der jüngst das Erste Theologische Examen bestanden hat, analysierte Martin Luthers Verständnis der Bibel. Grundlage waren Quellen der Jahre 1520 bis 1525. Dabei zeigte sich, dass Luthers Schrifthermeneutik wesentlich von ihrem historischen Kontext und den theologischen wie kirchenpolitischen Entwicklungen der Zeit geprägt sei. Luther könne als »im besten Wortsinn radikaler biblischer Theologe« beschrieben werden. Seine Konzentration auf die Schrift als Maßstab theologischer Urteilsbildung sei dabei wegweisend für die evangelischen Kirchen und Theologien durch die Jahrhunderte geworden, fasste der Nachwuchstheologe zusammen.

Der Vorsitzende der Jury, Alexander Dölecke (Osnabrück), betonte in seiner Laudatio die Bedeutung der theologischen Wissenschaft:

»Wenn Ökumene wirklich gelingen soll, dann braucht es eine gründliche Theologie.«

Die ausgezeichneten Arbeiten seien hervorragende Beispiele, wie detailliertes Arbeiten an theologischen Quellen die Kenntnis der eigenen Konfession fördere und so die notwendigen Grundlagen für ein ökumenisches Gespräch auf Augenhöhe gelegt werden könnten.
Der Albert-Pellens-Preis wird seit 1991 verliehen. Er ist nach dem ehemaligen Superintendenten des Kirchenkreises Hameln-Pyrmont benannt. Pellens stand als langjähriger Vorsitzender des EB Hannover exemplarisch für eine tiefe Verbindung intensiver theologischer Arbeit und ökumenischer Begegnung.

 

Von links nach rechts: Alexander Dölecke, der Vorsitzende des Preiskomitees, Lisa Lambers (Preisträgerin), Mathias Hartewieg (Preisträger), TIna Meyn, Vorsitzende des EB Hannover.

 


„Evangelisch, ökumenisch, frisch!“

Informationsstand des Evangelischen Bundes Hannover auf der Synode der Hannoverschen Landeskirche im Mai 2017

 

Auch in diesem Jahr erhielten Mitglieder und Gäste der Maitagung der Landessynode in der Henriettenstiftung „frische Informationen“ über die Arbeit des Evangelischen Bundes Hannover. Am Büchertisch der Diasporawerke informierten Pastorin Anna Henken, Mitglied des EB Hannover, und die Vorsitzende Pastorin Tina Meyn über Projekte und Veranstaltungen. OLKR Rainer Kiefer, zu dessen Aufgabenbereich unter anderem Weltmission und Ökumene gehören, betonte:

„Die oft schnelle und unbürokratische Hilfe der Diasporawerke durch enge Kontakte machen auf eindrucksvolle Weise deutlich, was geschwisterliche Fürsorge und Unterstützung im Namen Jesu Christi bedeuten kann.“

 

OLKR Rainer Kiefer (Mitte) mit Pastorin Anna Henken (links) und der Vorsitzenden des EB Hannovers Pastorin Tina Meyn (rechts), Foto: Hellberg

 

Ansprechpartner

Ulrich Noetzel
Geschäftsführer des Evangelischen Bundes Hannover

Telefon

05251.6880727