Treffen sich ein Imam, ein Rabbiner und ein evangelischer Pfarrer… Was sich wie ein Scherz anhört, das passierte ganz im Ernst. Am 10. April 2019 haben zwölf junge Theologinnen und Theologen aus den drei Religionen in der Evangelischen Akademie in Frankfurt intensiv miteinander gesprochen, und zwar über die ganz praktischen Erfahrungen ihres Berufseinstiegs. Und schon im nächsten Jahr wollen sich erneut junge Geistliche aus den drei Weltreligionen treffen, um mehr voneinander und den jeweiligen Herausforderungen zu erfahren, dann sogar gleich für drei Tage.

Die Idee zu einem solchen Treffen junger Geistlicher aus Islam, Judentum und Christentum hatten der Evangelische Bund Hessen und die Evangelische Akademie Frankfurt. Mit dieser Idee haben die Verantwortlichen Neuland betreten und sind gleich auf hohes Interesse gestoßen. Denn interreligiöse Begegnungen der Geistlichen gibt es zwar bereits in der Ausbildungszeit, aber bisher noch nicht für Berufsanfängerinnen und Berufsanfänger. Dabei verbindet diese die allen gemeinsame Erfahrung, Leitungsverantwortung für die Gemeinde zu übernehmen und die eigene Religion in Person zu repräsentieren.

Bei dieser ersten Begegnung im April ging es hauptsächlich um die Musik. Denn tatsächlich gibt es in allen drei monotheistischen Religionen Musik bzw. Gesänge, jedoch in sehr unterschiedlicher Weise, entweder als gemeinsames Lied oder als liturgischen Vorgesang. Der jüdische Kantor Daniel Kempin spielte hierzu auch Musik vor und leitete die jungen Geistlichen zum gemeinsamen Singen an.

Die Anwesenden diskutierten schon bald rege miteinander und kamen zu dem einstimmigen Fazit, dass die Zeit viel zu kurz war. So viel hätte man noch besprechen wollen. Man weiß doch recht wenig aus der beruflichen Praxis und dem Alltag der anderen, wie eine Teilnehmerin staunte. Es war wichtig, sich kennenzulernen und zu vernetzen, meinte ein anderer Teilnehmer. Die Abschlussrunde zeigte große Motivation, sich im nächsten Jahr wieder in Frankfurt zu treffen, mit noch mehr Zeit zum Austausch. Die Leitung war ebenfalls sehr zufrieden. Dr. Eberhard Pausch (Evangelische Akademie Frankfurt) sagte: „Es war ein guter Start. Darauf lässt sich sicherlich aufbauen.“ Dr. Juliane Schüz (Evangelischer Bund Hessen) konnte dem nur zustimmen, denn „dieses Format der Begegnung Junger Geistlicher zeigt einen guten gemeinsamen Nenner über die Funktion der Gemeindeleitung, wodurch dann viele tiefgehende Gespräche und ein Kennenlernen des anderen fruchtbar möglich wird.“

Der Evangelische Bund Hessen und die Evangelische Akademie Frankfurt wollen jetzt über mehrere solcher Treffen ein tragfähiges Netzwerk junger Geistlicher schaffen.

Die nächste Trialog-Veranstaltung wird vom 23.–25. März 2020 in Frankfurt stattfinden. Weitere Details werden voraussichtlich im August 2019 veröffentlicht.

Video über die Begegnung junger Geistlicher

Ansprechpartnerin

Dr. Juliane Schüz
Vorstand EB Hessen