Der Evangelische Bund Westfalen und Lippe verleiht jährlich einen Hochschulpreis, mit dem Arbeiten aus dem Bereich Ökumene und Konfessionskunde gewürdigt werden. Teilnehmen können Studierende der Ev. Theologie und der Religionspädagogik im ersten oder zweiten Ausbildungsabschnitt.

Hier den aktuellen Flyer zum Hochschulpreis 2018 herunterladen


Preisträger 2017

Hochschulpreis17b

Laudatio von Prof. Dr. Harald Schroeter-Wittke

Hochschulpreis17d

Prof. Dr. Harald Schroeter-Wittke (Laudator), Christian Koch (Preisträger Rheinland), Birger Falcke (Preisträger Westfalen-Lippe), Dr. Dirk Spornhauer (Vorsitzender Westfalen-Lippe), Dr. Richard Janus (stellv. Vorsitzender Rheinland)

Hochschulpreis 18_WL 2

Hochschulpreisträger Birger Falcke führt in die Ergebnisse seiner Arbeit ein.

Hochschulpreis2018_EB Westfalen-Lippe_3

Überreichung der Urkunde durch Dr. Dirk Spornhauer an den Preisträger Birger Falcke

Der Evangelische Bund Westfalen und Lippe hat Birger Falcke den 2017 ausgeschriebenen Hochschulpreis für ökumenische Theologie und Konfessionskunde verliehen. Der 29-jährige Vikar der ev. Kirchengemeinde Bönen wusste die Jury mit seiner Arbeit über „Das reformierte Schriftverständnis am Beispiel von Calvin und ausgewählter Bekenntnisschriften“ zu überzeugen. Die Verleihung fand am 16. November 2018 im Rahmen des diesjährigen Studientages in Paderborn statt. Laudator war Prof. Dr. Harald Schroeter-Wittke von der Universität Paderborn.

 

Im Anschluss daran stellte sich Birger Falcke in einem Interview den Fragen von Gregor Bloch, Vorstandsmitglied des EB Westfalen und Lippe.

Gregor Bloch: Herr Falcke, herzlichen Glückwunsch zur Verleihung des diesjährigen Hochschulpreises des EB Westfalen und Lippe. Sie wurden ausgezeichnet für eine Arbeit, die den Titel „Das reformierte Schriftverständnis am Beispiel von Calvin und ausgewählter Bekenntnisschriften“ trägt. Was hat Sie bewogen, zu diesem Thema eine wissenschaftliche Hausarbeit zu verfassen?

Birger Falcke: Vielen Dank. Die Verleihung freut mich sehr! Ich selbst komme aus einer unierten Gemeinde, was ich allerdings bis zum Beginn meines Studiums gar nicht wusste. Im Laufe der Studienjahre habe ich dann gemerkt, dass ich in einigen theologischen (Grund-)Überzeugungen eher dem Reformiertentum zuneigen als dem Luthertum. Als ich dann einen „Kompaktkurs reformierte Theologie“ bei Prof. Matthias Freudenberg belegte, passte das Thema sehr gut. Einerseits, um mich in einem Feld tiefergehender mit reformierter Theologie auseinandersetzen zu können, andererseits, weil ich gerade das Schriftverständnis für eines der Themen halte, über die sich ein_e Theolog_in unbedingt einmal eine Meinung gebildet haben sollte, wenn auch nicht in Stein gemeißelt. Trotz des reformierten Einschlags wird meine Ordination zum Pfarrer aber wohl dennoch bewusst uniert sein.

Können Sie für unsere Leserinnen und Leser kurz zusammenfassen, worum es in ihrer Arbeit geht und welche Grundthese Sie darin entfalten?

Als Ausgangstext nutze ich in meiner Arbeit Calvins Hauptwerk „Insitutio Christianae Religionis“ (1559). Danach analysiere ich vier reformierte Bekenntnistexte, drei aus dem 16. Jahrhundert und einen aus dem 20. Jahrhundert. Geographisch stammen diese aus der Schweiz, Frankreich, Schottland und Deutschland. Alle Texte klopfe ich auf ihr implizit oder explizit enthaltenes Schriftverständnis ab. Es gibt keine Ausgangsthese, die am Anfang der Arbeit stünde, aber zum Schluss ziehe ich zunächst ein zusammenfassendes Fazit: Fünf Punkte bzw. Grundzüge, die ein reformiertes Schriftverständnis ausmachen. An diese fünf Punkte angelehnt, gebe ich sodann einen Ausblick: Chancen und Potentiale des reformierten Schriftverständnisses für Theologie, Kirche und Predigt im 21.Jh. Bei allen Unterschieden im Detail ist für alle Texte klar: Ohne die Bibel als Basis, kann die Kirche sich vergessen.

Welche Erkenntnis war für Sie am schönsten oder am erhellendsten im Prozess des Abfassens Ihrer Arbeit?

Wichtig war für mich nochmals festzustellen, dass Calvin (wie übrigens auch Luther) kein verbalinspiriertes Schriftverständnis hatte. Er ging also nicht davon aus, dass der Geist Gottes die Verfasser der biblischen Texte nur als Schreibfeder benutzt hätte. Das biblische Wort ist kein einfaches Diktat Gottes. Natürlich ist Verbalinspiration ein Begriff, der so damals noch nicht reflektiert wurde. Ich halte ihn dennoch für wichtig, weil man einen deutlichen Unterschied, z.B. im Vergleich zum schottischen Bekenntnis von 1560, sieht. Es ist nur ein Jahr später geschrieben, doch liegt hier m.E. eine ganz andere Vorstellung zugrunde, nämlich eine verbalinspirierte.
Erhellend war für mich zudem die besondere Betonung des Bundes, die mir vorher so nicht bewusst war. Altes und Neues Testament werden umfangen von dem einen Bund Gottes mit seinen Menschen. Dieser ist in beiden Testamenten ganz da, nur seine äußere Gestalt ist unterschiedlich. Zwar wird auch der alttestamentliche Bund so gesehen, dass er eigentlich schon der Bund Christi ist, aber ihm fehlt eben nichts. Er ist vollgültig, auch wenn er äußerlich noch nicht als Christusbund ersichtlich ist.
Ach, ein Letztes noch. Für alle analysierten Texte ist klar: Der Gehalt und die Bedeutung der Bibel können in ihrer Tiefe nur durch Gottes Geist erkannt werden. Exegetische Wissenschaft und Spiritualität gehören hier also theologisch untrennbar zusammen. Das muss eine Anfrage sein an jede Theologie, die abseits gelebten Glaubens stattfindet.

Wie sind Sie auf die Ausschreibung des Hochschulpreises aufmerksam geworden?

An meinem ersten Studienort, der kirchlichen Hochschule in Wuppertal, habe ich das erste mal einen Flyer in der Hand gehabt. Ich vermute, dass der von Prof. Hellmut Zschoch kam, sicher bin ich aber nicht. Das hatte ich im Hinterkopf. Später habe ich dann nochmal online recherchiert.

Würden Sie auch anderen Studierenden empfehlen, ihre zum Themenbereich Ökumene und Konfessionskunde verfasste Hausarbeit bei der Ausschreibung des Hochschulpreises einzureichen?

Auf jeden Fall! Ich habe die Arbeit einfach eingereicht, weil sie sowieso da war. Ich mache so etwas ganz gerne – mal sehen, was passiert. Als ich dann die Mail bekam, dass ich gewonnen hätte, war ich durchaus überrascht. Zumal mein Thema ja nicht sonderlich exotisch ist. Also: Einfach probieren, man kann nichts verlieren.

Wie finden Sie allgemein die Arbeit des Evangelischen Bundes?

Tatsächlich hatte ich vor der Preisverleihung kaum eine Ahnung, was der Evangelische Bund genau macht, habe dann aber besonders auf der Homepage recherchiert. Die Arbeit des Bundes verstehe ich so: Wir sind evangelisch, ganz bewusst, und fragen uns, was Evangelisch-Sein heute bedeutet, auch in unterschiedlichen Färbungen. Aus dieser bewussten Überzeugung heraus, gehen wir fröhlich auf andere Überzeugungen zu, weil wir uns nach Versöhnung aller christlichen Konfessionen sehnen. Das finde ich total gut! Besonders, aus meiner eigenen Biographie heraus, dass auch die innerprotestantische Ökumene bzw. Einigung in den Blick genommen wird, was meines Erachtens sonst oft unter den Tisch fällt.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für Ihre Zukunft!


Preisträgerin 2016

Horst-Dieter Mellies freut sich mit Lena Vösgen über den Hochschulpreis des Evangelischen Bundes Westfalen und Lippe. (Foto: Lippische Landeskirche)

Mit dem Hochschulpreis 2016 für ökumenische Theologie und Konfessionskunde des Evangelischen Bundes Westfalen und Lippe ist die Theologiestudentin Lena Vösgen aus Detmold ausgezeichnet worden. Die 25-jährige hat den Preis erhalten für ihre Hausarbeit zum Thema „Der Gerechte wird aus Glauben leben (Röm 1, 17). Lutherische, römisch-katholische und reformierte Rechtfertigungslehre und ihre ethische Bedeutung in ökumenischer Perspektive“. Lena Vösgen hat ihr Abitur am Leopoldinum in Detmold gemacht, sie studiert Theologie im 9. Semester in Heidelberg.

Die Urkunde und das Preisgeld in Höhe von 500 Euro konnte der lippische Landespfarrer Horst-Dieter Mellies, Vorstandsmitglied im Evangelischen Bund Westfalen und Lippe, jetzt im Landeskirchenamt in Detmold an Lena Vösgen überreichen: „Wir freuen uns sehr, dass eine unserer lippischen Theologiestudierenden mit dieser sehr bemerkenswerten Hausarbeit den Preis gewonnen hat.“

Lena Vösgen hat sich darin unter anderem mit der Bedeutung der Rechtfertigungslehre für Christinnen und Christen heute befasst. Aufgabe der Kirchen sei es, Gott als gnädigen Gott zu verkünden, der die Menschen von ihrer Rechtfertigungshaltung gegenüber anderen Menschen bewahrt, da sie schon von Gott gut gemacht und liebevoll angenommen seien. Lena Vösgen: „Dies kann nur gelingen, wenn die Kirchen ökumenisch zusammenarbeiten, ohne ihr jeweils eigenes Profil zu verlieren, und auch selbst die Menschen ohne Verurteilungen in ihrer Vielfalt annehmen.“


Preisträger 2015

Die Preisträger der beiden Landesverbände Westfalen-Lippe und Rheinland. Von links: Dr. Dirk Spornhauer (Vorsitzender des EB Westfalen und Lippe), Matthias Gillé (Preisträger des EB Westfalen und Lippe), Lisa Sophie Schönrock (Preisträgerin des EB Rheinland) und Dr. Margarethe Hopf (Vorsitzende des EB Rheinland). (Foto: Privat)

Der Hochschulpreis 2015 wurde im Rahmen des gemeinsamen Studientages „Hier stehe ich – Glaube, Bekenntnis, Theologie“ der Landesverbände Westfalen-Lippe und Rheinland am 02. Dezember 2016 an Herrn Matthias Gillé verliehen. Die ausgezeichnete Arbeit trägt den Titel: „Der koptische Papst Shenuda III. Beobachtungen zur Theologie und Biographie“. Laudator war Dr. Walter Fleischmann-Bisten, der ehemalige Leiter des Konfessionskundlichen Instituts Bensheim.

 

Ansprechpartner

Gregor Bloch
Hochschulpreisbeauftrager und Vorstandsmitglied des EB Westfalen und Lippe