Der Evangelische Bund Westfalen und Lippe führt regelmäßig Veranstaltungen durch. Neben einer jährlichen Landesversammlung für alle Mitglieder findet zum Jahresende der traditionelle Martinsempfang statt. Auch Studientage gehören zum Programm.

 


Berichte vergangener Veranstaltungen


Verleihung des Hochschulpreises und Studientag des Evangelischen Bundes Westfalen und Lippe 2018 in Paderborn

Ein Bericht von Anne Breckner

Am 16.11.2018 gab es gleich doppelt Grund zur Freude für den Evangelischen Bund Westfalen-Lippe:
Zunächst wurde im Gemeindehaus der Abdinghofkirche in Paderborn der Hochschulpreis für herausragende studentische Arbeiten zu konfessionskundlichen Themen des Jahres 2017 verliehen. Die anwesenden Vereinsmitglieder und Studierenden freuten sich mit Birger Falcke über seine differenzierte Abschlussarbeit im Themenkomplex konfessionelle Forschung. Prof. Dr. Harald Schroeter-Wittke verdeutlichte in seiner Laudatio, welche Anknüpfungspunkte aus der historisch-theologischen Arbeit für heute bestehen. Nähere Informationen zur Arbeit und zum Preisträger können dem Interview mit dem Preisträger und Gregor Bloch entnommen werden (zu finden in der Rubrik „Hochschulpreis“). Der Landesvorsitzende Dirk Spornhauer überreichte dem Preisträger, der inzwischen im Vikariat ist, neben dem Preisgeld und der Urkunde auch einen „echten“  Paderborner Schokoladennikolaus, der an den römisch-katholischen Heiligen im Bischofsgewand erinnern soll. So kann auch gelebte Ökumene aussehen. Neben dem westfälisch-lippischen Preis wurde außerdem eine Arbeit vom Evangelischen Bund Rheinland geehrt. Richard Janus, zweiter Vorsitzender des rheinischen Landesverbandes, beglückwünschte den zweiten Preisträger.

Einen weiteren Grund zur Freude bot der gut besuchte, gedankenanregende Studientag des Evangelischen Bundes Westfalen-Lippe. Der Studientag wurde in Kooperation mit dem Institut für Evangelische Theologie an der Universität Paderborn durchgeführt. Unter dem provokanten Titel „Evangelisch in Paderborn?!“ wurde unter anderem mit Prof. Dr. Benjamin Dalhke, römisch-katholischer Dozent für Dogmatik an der Theologischen Fakultät Paderborn, diskutiert, der seine Außenperspektive auf das Evangelisch-Sein im Vortrag „Evangelisch – was ist das? Rückfragen aus katholischer Sicht“ bot. Anhand des Beispiels der Taufe seines evangelischen Patenkindes und dem Stöbern im Evangelischen Gesangbuch, in dem er auf ausgewählte evangelische Bekenntnisschriften stieß, verdeutlichte er, wo er Gemeinsamkeiten und Abgrenzungsbedarf zwischen den Konfessionen sieht. Das gemeinsame Essen im Anschluss ermöglichte weiter den Austausch zwischen Mitgliedern des Evangelischen Bundes und Studierenden. Außerdem wurden im Rahmen einer Stadtführung Schlaglichter der evangelischen und ökumenischen Kirchengeschichte in Paderborn bedacht. Im Anschluss gab es einen intensiven Austausch zwischen Studierenden und Vereinsmitgliedern, was als genuin evangelisch zu bezeichnen sei. Folgende Thesen wurden dabei in Kleingruppen formuliert:

  • Evangelisch ist ein offener Kreis und Familie.
  • Evangelisch ist Freiheit und gleichzeitig Pflichtbewusstsein.
  • Evangelisch ist eine Herzenseinstellung und bewusste Entscheidung.
  • Evangelisch ist die eigene Entscheidung und Verantwortung (Konfirmation).
  • Evangelisch sind Musik, Lieder und Singen.
  • Evangelisch ist die Ordination der Frau.
  • Evangelisch ist Gottes Kindsein als Geschenk.
  • Evangelisch ist, die Bibel als entscheidende Grundlage anzusehen.
  • Evangelisch ist, eine persönliche und direkte Beziehung mit Gott zu führen.
  • Evangelisch ist nicht katholisch.
  • Evangelisch-Sein lebt von Dialog und Konflikt.
  • Evangelisch ist der individualisierte Weg zum Glaube.
  • Evangelisch ist vielfältig in Diskurs und Gemeinschaft.
  • Evangelisch ist individuell, flexibel und frei, d. h. das Individuum ist unvertretbar vor Gott.
  • Evangelisch-Sein beruht auf dem, was Christum treibet in der Heiligen Schrift.

In Vorfreude auf zukünftigen, ebenso bereichernden Austausch wird schon jetzt darauf hingewiesen, dass ein weiterer Studientag für November 2019 in Wuppertal-Barmen geplant ist.


Jungpoeten machen das Maul auf

Der Evangelische Bund Westfalen und Lippe veranstaltete im Jahr 2017 in Kooperation mit anderen Trägern verschiedene Poetry Slams.  Einer davon fand in Lemgo statt

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Poetry Slams in Lemgo zusammen mit Vertretern des EB Westfalen und Lippe. (Foto: Lippische Landeskirche)

Wortgewaltig ging es zu beim Poetry Slam „Mach’s Maul auf“ im Innenhof von Schloss Brake bei Lemgo. Sechs junge Poeten lieferten sich mit ihren Texten über Gott und die Welt, gesellschaftliche Entwicklungen und den Mikrokosmos des eigenen Lebens spannende Duelle. Am Ende setzte sich Jason Bartsch aus Bochum durch.

Ein Poetry Slam ist ein Vortragswettbewerb, in dem die Teilnehmer in einer begrenzten Zeit selbstverfasste Texte vortragen und anschließend mit einer Applaus- oder Punktewertung durch das Publikum beurteilt werden. Unter dem Motto des Luther-Zitats „Mach’s Maul auf“ fand im Jahr 2017 in vielen Landeskirchen ein Poetry Slam zum Reformationsjubiläum statt. Neben dem Evangelischen Bund Westfalen und Lippe wurde diese Veranstaltung getragen von der Lippischen Landeskirche, dem Ev. Erwachsenenbildungswerk Westfalen und Lippe, dem Weserrenaissance-Museum Schloss Brake, dem Landesverband Lippe, der Agentur LUUPS/Science-slam.com und „WortLautRuhr“.

Unter der Moderation des Poetry-Slam-Meisters Marc-Oliver „Katze“ Schuster standen sich die sechs Teilnehmer im K.O.-System gegenüber. Berit Kruse stellte bei ihren Beobachtungen zur „Welt in Klein und Groß“ nachdenklich fest: „Warum weint man, wenn man sich von einem Freund trennt, aber nicht, wenn 1200 Kilometer entfernt ein Krieg brennt?“ Es war dann aber der Kölner Sulaiman Masomi, der sich in diesem Duell knapp durchsetzte. Zynisch spielte der „Selbstwortattentäter“ den oft beschworenen „Untergang des Abendlandes“ durch. Die Islamisierung habe zu einer „Allahgie“ geführt, auch er müsse „den Sprengstoffgürtel enger schnallen“. Im Finale bewies Masomi mit seiner Inszenierung des „Hohen Rats der Sprache“ erneut Einfallsreichtum: Da unterstellte der Euphemismus der Hyperbel die Untertreibung und verharmloste den im Rollstuhl sitzenden Genitiv als Kollateralschaden des Dativs, während ihn die rhetorische Frage fragte, ob er den Sachverhalt beschönige – Platz 2 in der Endabstimmung.

Die Begegnung des Bochumers Yannick Steinkellner mit der „Dame hinter dem Computer“ blieb derweil chancenlos gegen die aberwitzigen Gedanken des ursprünglich auf einer nicht näher definierten Nordseeinsel geborenen Wahl-Paderborners Jörn Matjes zur Kunst des Lügens, denen er im Finale eine Liebeserklärung mit überraschender Wendung folgen ließ: wie sich herausstellte, galten lyrische Glanzpunkte wie „Du bist alle Hauptrollen im Film, der alle Oscars gewinnt, ich bin der Statist in der Szene, die es nicht durch den Schnitt schafft“ einer Katze.

Im dritten Duell erklärte der ehemalige Lemgoer und jetzige Hildesheimer Martin Frank mit Hilfe eines Alter Ego als Biber „Hummelsberger“, warum es vorkomme, dass er bisweilen verschiedenfarbige Socken trage. Die für seine kleinen Neffen und Nichten gedachte Erzählung funktionierte auch beim erwachsenen Publikum – gegen den späteren Sieger Jason Bartsch reichte es jedoch nicht. Sowohl mit der die Traumata seiner Kindheit und Jugend verarbeitenden Abhandlung „Im Kleinen fängt es an, im Großen hört es auf“ als auch in der Auseinandersetzung mit der Redewendung „Fünfe grade sein lassen“ im Finale gefiel der Bochumer mit brillantem Wortwitz, der zudem mit Gesellschaftskritik gepaart war.


Studientag „Hier stehe ich – Glaube, Bekenntnis, Theologie“

Hauptvortrag Prof. Dr. Dietrich Korsch. (Foto: Privat)

Die Landesverbände Westfalen-Lippe und Rheinland veranstalteten gemeinsam mit dem Ökumenischen Institut der Ev.-theol. Fakultät der Universität Bonn am 2. und 3. Dezember 2016 einen Studientag zum Thema „Hier stehe ich – Glaube, Bekenntnis, Theologie“ und nahm damit das Reformationsjubiläum auf.

Der Studientag wurde von jungen Mitgliedern der beiden Landesverbände konzipiert und mit organisiert. Zwei kundige Vorträge des Freitagnachmittags stammten von jungen Wissenschaftlern aus den Reihen des EB: Dr. Richard Janus, Universität Paderborn, stellvertretender Vorsitzender des EB Rheinland, präsentierte „Eine Kulturgeschichte des Bekennend von Augustinus bis Nina Hagen“. Gregor Bloch, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Marburg und kooptiertes Vorstandsmitglied des EB Westfalen und Lippe, sprach zum Thema „Konfession und Identität. Die Bedeutung des Bekenntnisses im lutherischen und reformierten Protestantismus“. Der zentrale Vortrag des Tages stammte von Prof. emeritus Dr. Dietrich Korsch, Systematischer Theologe aus Marburg, der ausgehend von Luthers Freiheitsschrift kreativ Gedanken zu einer anthropologischen Theologie entfaltete.

Am Samstag erfolgte der Besuch der griechisch-orthodoxen Metropolie in Bonn-Beuel, das Zentrum der griechisch-orthodoxen Kirche in Deutschland. Der dortige Gemeindepfarrer, Vater Sokrates Ntallis, zeigte den Anwesenden die Kathedrale mit ihrem kostbaren Bildprogramm und führte in die Schönheit der orthodoxen Liturgie und Theologie ein. Wertvoll waren seine Informationen zu aktuellen Herausforderungen der orthodoxen und altorientalischen Kirchen angesichts der Flüchtlinge aus dem Nahen Osten und der Immigration aus Griechenland, die ihr Land aufgrund der Wirtschaftskrise verlassen müssen und nun in Deutschland eine neue Heimat suchen.

 

Der Landesverband plant zur Zeit keine Veranstaltung.
Informationen über Veranstaltungen anderer Verbände.