Der irakische Patriarch Louis Raphael I. Sako hat seinen Rücktritt angeboten, um den Weg für einen Zusammenschluss mit zwei anderen Kirchen im Irak freizumachen. Sako, Oberhaupt der Chaldäer, der größten christlichen Gemeinschaft im Irak, begründete dies in einer am Mittwoch in Bagdad veröffentlichten Erklärung mit der Auswanderung der Christen und der Bedrohung durch Islamisten. Konkret schlug er eine Union mit der wiederum geteilten Apostolischen Kirche des Ostens vor, aus der die Chaldäer im 16. Jahrhundert durch Einigung mit Rom hervorgingen. Sako äußerte Zweifel, dass die ausgewanderten Christen jemals in den Irak zurückkehrten. Zudem wisse niemand, wann die Terrormiliz “ Islamischer Staat“ verschwinden und wie die Situation sich entwickeln werde. „Die Einheit der Kirchen im Irak, Kirchen von langer apostolischer Tradition, aber klein und von den Ereignissen erschlagen, ist unsere einzige Rettung“, so der katholische Patriarch.
Sako gab bekannt, er habe den beiden Flügeln der Apostolischen Kirche des Ostens – der Assyrischen Kirche des Ostens mit einem derzeit vakanten Patriarchatssitz in Chicago und der Alten Kirche des Ostens mit dem in Bagdad residierenden Mar Addai II. als Oberhaupt – eine gemeinsame Synode vorgeschlagen, um einen Zusammenschluss vorzubereiten. Die amtierenden Patriarchen könnten dann durch ihren Rücktritt die Wahl eines gemeinsamen Oberhaupts ermöglichen. Alle drei Kirchen gehören zur sogenannten ostsyrischen Tradition, stehen sich also in Lehre und Liturgie sehr nahe. Zwischen der Assyrischen Kirche des Ostens und der erst 1968 entstandenen Alten Kirche des Ostens laufen bereits Einigungsgespräche. Als Basis für eine Anerkennung des Papstes bezeichnete Sako ein Papier von 1994, in dem Papst Johannes Paul II. und der im März verstorbene assyrische Patriarch Dinkha IV. gemeinsame theologische Positionen festhielten. Sako schrieb, die Zeit sei reif, „nationalistische Positionen aufzugeben und zur Kirche des Ursprungs zurückzukehren“. Zugleich rechne er mit einem „langen und schmerzlichen Weg“. Es gelte jedoch eine Lösung zu finden, die den Christen helfe, „nicht aus dem Irak zu verschwinden“ und den christlichen Glauben „unseren muslimischen Brüdern“ zu bezeugen. Im September findet in Bagdad eine Synode der chaldäischen Kirche statt; gleichzeitig tagt die Leitung der Assyrischen Kirche des Ostens in Erbil. Dies sei eine Gelegenheit, den Vorschlag „zu diskutieren und zu prüfen“, so Sako.
kna 25.06.2015