Der neue Bundespräsident in Österreich: Alexander van der Bellen

Der designierte Bundespräsident in Österreich: Alexander Van der Bellen

In Österreich haben sich führende Vertreter der evangelischen Kirche und der Evangelikalen erleichtert über den Ausgang der Bundespräsidentenwahl geäußert. Der frühere Bundessprecher der linksgerichteten Grünen, Alexander Van der Bellen, setzte sich in der Stichwahl knapp mit 50,3 Prozent gegen Norbert Hofer (49,7 Prozent) von der rechtskonservativen Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) durch. Der Bischof der (lutherischen) Evangelischen Kirche Augsburgische Bekenntnisses, Michael Bünker (Wien), erklärte, mit Van der Bellen sei jener Kandidat gewählt worden, der sich für ein weiteres Zusammenwachsen Europas einsetze. Bünker: „Das ist aus meiner Sicht sehr zu begrüßen, weil die evangelischen Kirchen sich seit Jahren für das Zukunftsprojekt Europa auf Basis der Menschenrechte engagieren.“ Bünker wünscht dem künftigen Bundespräsidenten, „dass es ihm gelingt, das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen, ohne dabei auf klare Positionen zu verzichten“. Van der Bellen ist konfessionslos. Hofer trat aus der katholischen Kirche aus und ist jetzt evangelisch.
Der Generalsekretär der Österreichischen Evangelischen Allianz, Christoph Grötzinger (Bürmoos bei Salzburg), wertete das Ergebnis ebenfalls positiv. Mit der Wahl Van der Bellens sei das Land in Europa nicht isoliert, sagte er der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Viele Christen seien gespalten gewesen, wen sie wählen sollten, so Grötzinger. Hofer habe sich immer wieder stark für den Lebensschutz ausgesprochen und sich auf christliche Werte berufen. Beim Thema Flüchtlinge hingegen habe er sich nicht zur Einwanderung bekannt. Van der Bellen habe für viele hier eine „christlichere“ Haltung vertreten. Außerdem habe er sich für Europa ausgesprochen. Grötzinger hofft nun, dass die Österreicher sich künftig mehr für die Politik interessieren, das Lagerdenken überwinden und genauer hinschauen, welche Positionen die Parteien vertreten. Der Generalsekretär kritisierte gleichzeitig, dass viele ausländische Medien ein „schwarz-weißes Bild“ von Österreich gezeichnet hätten. „Nicht alle, die Hofer gewählt haben, denken rechtspopulistisch“, so Grötzinger.
Salzburger Weihbischof Laun warb für den FPÖ-Kandidaten
Für Diskussionen sorgte auf katholischer Seite eine Wahlempfehlung des Weihbischofs der Erzdiözese Salzburg, Andreas Laun. Er hatte sich in einem Kommentar beim Informationsdienst kath.net (Linz) für Hofer ausgesprochen. Der „links-extreme“ Van der Bellen stehe vom Lebensschutz über die Gottesfrage bis Gender „auf der falschen Seite“. Er sei ein „erklärter Gottes- und damit auch Kirchenfeind“, so Laun. Was man hingegen von Hofer lese und höre, „ist vernünftig und in Ordnung“. Deshalb könne man nur ihn wählen, so der Weihbischof. Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn erklärte dazu: „Jeder hat das Recht, eine Wahlempfehlung abzugeben, auch ein Bischof.“ Dennoch verzichte die katholische Kirche darauf, „auch oder gerade besonders“ bei der Stichwahl 2016, an der erstmals seit 1945 kein katholischer Kandidat teilnehme. Laut Schönborn können Katholiken zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen, was die Wählbarkeit der Kandidaten betreffe. Dabei solle man nicht nur die Haltung zum Lebensschutz beachten, sondern etwa ebenso die zu den Schwachen der Gesellschaft, zu denen auch die Flüchtlinge gehörten, sowie zur Verantwortung Österreichs in der internationalen Staatengemeinschaft. Gegenüber der Wiener Presseagentur Kathpress sagte er: „Angesichts des sehr knappen Wahlergebnisses ist es besonders wichtig, dass der Bundespräsident das Einende vor das Trennende stellt.“ Von den 8,5 Millionen Einwohnern Österreichs sind 5,2 Millionen römisch-katholisch. Die Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses hat 293.000 Mitglieder, die (reformierte) Evangelische Kirche Helvetischen Bekenntnisses 13.600 und die „Freikirchen in Österreich“ rund 19.000. Daneben gibt es fast 600.000 Muslime. Die Zahl der Konfessionslosen wird auf etwa zwei Millionen geschätzt.
(idea/24.05.2016)