Pressekonferenz während der Synode in der "sala stampa" (Foto: M. Bräuer)

Pressekonferenz während der Synode in der „salla stampa“ (Foto: M. Bräuer)

Ein Medienspektakel war sie allemal. Die Bischofs-Synode in Rom fand in den letzten drei Wochen nicht nur in der Aula des Vatikans statt, sondern auch in den Medien. Da gab es gleich zum Auftakt das Outing eines homosexuellen Vatikan-Prälaten, es gab einen gepfefferten Protestbrief von 13(?) konservativen Kardinälen, und schließlich wurden Gerüchte über eine Hirn-Erkrankung des Papstes lanciert.
All das ließ auf verhärtete Fronten schließen unter den 270 Bischöfen – und es ließ die Spannung steigen, wie denn das Abschlussdokument der Synode aussehen könnte. Seit Sonntag liegt es vor und alle 94 Abschnitte des Synodendokumentes wurden mit der mindestens nötigen Zwei-Drittel-Mehrheit verabschiedet. Bei den Abschnitten zur den wiederverheiratet Geschiedenen nur denkbar knapp. Bis zuletzt war um den Wortlaut gerungen worden. Und dennoch ist dem Münchner Kardinal Marx zuzustimmen, dass das Dokument keine Türen zugeschlagen hat.
Das gut 50 Seiten lange Abschlussdokument spricht in einer durchgehend nicht ver- und beurteilenden, sondern freundlichen Sprache die Fragen von Familie und Ehe an. Doch es bleibt in vielem vage und vermeidet konkrete ethische Handlungsanweisungen. Das mag auf den ersten Blick enttäuschend sein für alle, bei denen die Erwartungen auf Veränderungen geweckt worden waren. Aber es könnte auch die Grundlage für weitreichende Reformen sein., je nachdem, was der Papst daraus macht. Ihm wurde das Papier übergeben und an ihm ist es, daraus z.B. ein nachsynodales Schreiben zu machen, das dann verbindlich ist.
In den drei Wochen der Bischofssynode konnte man auch erleben wie hart nicht nur um Familienfragen gerungen wurde. Das alleine erklärt noch nicht die bisweilen sehr hohe Emotionalität der Debatten. Es ging auch um die Frage, was es bedeutet, katholische Weltkirche im 21. Jahrhundert zu sein in einer Welt großer Ungleichzeitigkeit und kultureller Vielfalt.
Der Papst sprach es für römische Verhältnisse sogar ziemlich deutlich aus. Man habe „gesehen, dass das, was einem Bischof eines Kontinentes als normal erscheint, sich für den Bischof eines anderen Kontinents als seltsam, beinahe wie ein Skandal herausstellen kann – beinahe!“. Und: „Was in einer Gesellschaft als Verletzung eines Rechtes angesehen wird, kann in einer anderen eine selbstverständliche und unantastbare Vorschrift sein.“. Ja: „was für einige Gewissensfreiheit ist, kann für andere nur Verwirrung bedeuten.“ Denn: „Tatsächlich sind die Kulturen untereinander sehr verschieden, und jeder allgemeine Grundsatz … muss inkulturiert werden, wenn er beachtet und angewendet werden soll.“
Um was es dem Papst bei der Synode ging, wird in dem letzten Absätzen seiner Ansprache am Ende der Synode deutlich: „Die Erfahrung der Synode hat uns besser verstehen lassen, dass die wahren Verteidiger der Lehre nicht jene sind, die den Buchstaben verteidigen, sondern den Geist; nicht die Idee, sondern den Menschen; nicht die Formeln, sondern die unentgeltliche Liebe Gottes und seiner Vergebung. Das bedeutet freilich nicht, in gewisser Weise die Bedeutung von Formeln, Gesetzen und göttlichen Geboten zu vermindern, sondern die Größe des wahren Gottes zu rühmen. Er beurteilt uns nicht nach unseren Verdiensten, nicht nach unseren Werken, sondern einzig nach der grenzenlosen Güte seiner Barmherzigkeit.“ Nach Franziskus ging es der Synode darum, Horizonte zu öffnen und geschlossene Perspektiven zu vermeiden, um „die Freiheit der Kinder Gottes zu verteidigen“ und die Schönheit der christlichen Botschaft besser zu vermitteln, so Franziskus. Allerdings werde diese Botschaft zuweilen „vom Rost einer archaischen oder schlicht unverständlichen Sprache verdeckt“.
Sicher wird es in Zukunft nicht leichter werden, auch wenn der konservative Block den Papst nicht bremsen konnte. Die Diskussion wird also weitergehen und dies ist sicher im Sinne des Papstes, für den Kirchenreform als Rückkehr und Aufbruch zu einer synodalen Kirche ist. Synodalität als Wesenszug und Lebensvollzug von Kirche ist für Papst Franziskus eng mit seinem Leitbild von Kirche verbunden: Kirche als das Volk Gottes, gemeinsam auf dem Weg (syn-hodos) durch die Geschichte zu Gott und seinem Reich. Zu diesem gemeinsamen Weg gehört der gemeinsame Austausch wesentlich dazu. Auch wenn er bisweilen sehr emotional und heftig geführt wird.

Martin Bräuer