Die Waldenser nehmen die Bitte um Vergebung von Papst Franziskus nicht an. Sie sei mit „tiefem Respekt und innerer Bewegung“ aufgenommen worden, zitierte der Sender Radio Vatikan am Dienstag ein von der Waldenser-Synode unterzeichnetes Dokument. Es sei ihnen aber nicht erlaubt, „für diejenigen zu sprechen, die mit Blut und anderen Leiden ihr Zeugnis zum evangelischen Glauben bezahlt haben und an ihrer Stelle zu verzeihen“, heißt es. Die Synodalen sehen beim Papst aber auch den Willen, „ein neues Kapitel mit unserer Kirche zu beginnen“ und erklären sich bereit, „gemeinsam an dieser Geschichte zu schreiben“.

Die Waldenser-Synode tagt noch bis zum Freitag in Torre Pellice bei Turin. Franziskus hatte am 22. Juni als erster Papst eine Kirche der Waldenser besucht. Dabei hatte er gesagt: „Für die katholische Kirche bitte ich euch um Vergebung für all jene unchristlichen, ja unmenschlichen, Handlungen und Einstellungen, die wir in der Geschichte gegen euch gerichtet haben.“

Die Kirche der Waldenser ging aus einer Gruppe von Gläubigen hervor, die sich im 12. Jahrhundert um den Lyoner Kaufmann Petrus Valdes (1140-1206) gesammelt hatte. Sie lehnte die kirchliche Hierarchie und den Anspruch des Klerus als alleiniger Interpret der Bibel ab. Vor der Verfolgung durch die Inquisition flohen die Waldenser in entlegene Alpentäler. Heute gibt es weltweit etwa 100.000 Waldenser, die meisten leben in Italien.

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