Alte Kirche in Taizé mit dem Grab von Frere Roger

Als eine “Inspiration auf dem Weg zur Ökumene” hat der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Heinrich Bedford-Strohm, die ökumenische Gemeinschaft von Taize gewürdigt. In einem am Sonntag veröffentlichten Grußwort zum 75. Jahrestag der Gründung von Taize erklärte der Ratsvorsitzende: “Die jungen Leute neu für den Glauben zu begeistern, gehört für mich zu den wichtigsten Aufgaben der Zukunft überhaupt.” Bedford sieht darin den Auftrag für ökumenisches Handeln: “Weil Christus nicht zerteilt ist, sondern für uns alle der eine Herr ist”, gelte es, sich “von ihm in die Einheit rufen zu lassen”. Taize tue das seit 75 Jahren. Daher sei die Gemeinschaft “für die ganze Kirche auf dem Weg zur Ökumene eine Inspiration”.
Die ökumenische Brüdergemeinschaft von Taize hat am Sonntag ihres vor zehn Jahren ermordeten Gründers Frere Roger (1915-2005) gedacht. Am 12. Mai jährte sich zum zehnten Mal der Todestag des Gründers von Taize, Frere Roger. Am 16. August 2005 war der 90-jährige Frere Roger während des Abendgebets von einer geistig verwirrten Frau erstochen worden. Zu einer Gebetsversammlung unter freiem Himmel kamen mehrere Tausend Besucher, zumeist Jugendliche, sowie rund 100 Vertreter christlicher Konfessionen und anderer Religionen. Sie überbrachten Dankes- und Solidaritätsadressen sowie Glückwünsche für die künftige Arbeit der Gemeinschaft.
Zu den Gästen gehörte als Gesandter von Papst Franziskus auch der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kurienkardinal Kurt Koch. Er feierte am Morgen eine katholische Messe in der Versöhnungskirche von Taize und verlas bei einer Begegnung am Nachmittag ein Dankschreiben von Papst Franziskus. Weitere Ehrengäste waren der Generalsekretär des Weltkirchenrates (ÖRK), Olav Fykse Tveit, die Vizepräsidentin der Konferenz der Europäischen Kirchen (KEK) Karin Burstrand sowie als Repräsentant der anglikanischen Weltgemeinschaft Erzbischof John Sentamu von York. Für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) Bischof Gothart Maagard von Schleswig und Holstein.
Vor 75 Jahren, am 20. August 1940, hatte Frere Roger in Taize das Haus erworben, das der erste Sitz der späteren Gemeinschaft wurde. Das kleine Dorf in Burgund wurde seit den 1950er Jahren zum Treffpunkt für Jugendliche aus aller Welt. Der Gemeinschaft gehören heute rund 100 evangelische und katholische Männer aus mehr als 25 Ländern an. Seit 1974 Zehntausende zu einem “Konzil der Jugend” zusammenkamen, veranstalten die Taize-Brüder regelmäßig Jugendtreffen auf allen Kontinenten.