Heidelberger Disputationen

110. Generalversammlung des Evangelischen Bundes vom 14. bis 18. Oktober 2018

Bedeutsam für die Theologie ist insbesondere Martin Luthers Heidelberger Disputation aus dem Jahr 1518. Für den Evangelischen Bund Baden war dieses 500-jährige Jubiläum Anlass, in die Stadt am Neckar einzuladen, um mit hochkarätigen Wissenschaftlern und engagierten Mitgliedern des Evangelischen Bundes Inhalte und heutige Bedeutung dieses Ereignisses zu diskutieren.

Im feierlichen Eröffnungs-gottesdienst hielt Oberkirchenrat Dr. Matthias Kreplin aus Karlsruhe die Predigt

In der Heidelberger Disputation hat Martin Luther erstmals grundsätzlich und pointiert sein reformatorisches Programm entfaltet. Erstaunlicherweise war der Ablass nur die Nebensache. Sein eigentliches Anliegen war die grundlegende Erneuerung der Theologie. Dabei hat Luther auf den Punkt gebracht, was nach seiner Wahrnehmung der eigentliche Schaden in der Theologie und  Kirche  seiner  Zeit  gewesen  ist:  die Bindung  an  die spitzfindig und lebensfern gewordene scholastische Theologie. Demgegenüber hat er mit Paulus, Augustinus und der Mystik argumentiert und das Heilshandeln Gottes am Menschen ins Zentrum gerückt. Das hat Prof. Dr. Christoph Strohm in seinem einführenden Hauptreferat herausgestellt.

Die Bedeutung der Heidelberger Disputation

Die Bedeutung der Heidelberger Disputation liegt vor allem darin, dass etliche der jungen Studierenden und Magister dort von Luther begeistert und für die Reformation gewonnen wurden. Diese wurden vor allem von seiner stringenten Argumentation überzeugt. Die Spannung zwischen Theologie und Philosophie, zwischen Glaube und Vernunft ist durchaus auch heute präsent. Gegenwärtigen theologischen Entwürfen könne die Konzentration auf das „sola fide“ helfen, zwei Irrwege zu vermeiden. Der fundamentalistische Irrweg einerseits verzichtet auf eine vernünftige Plausibilisierung der Heilsbotschaft. Auf der anderen Seite reduziert der ethisierende Irrweg die Theologie nur auf das, was unmittelbar einleuchtet und versäumt dabei die philosophische Redlichkeit. Der Blick auf die Heidelberger Disputation Luthers könne dazu wichtige Impulse geben, meinte Prof. Strohm.

Kreuzestheologie verstehen und predigen

Prof. Dr. Philipp Stoellger sprach über die Kreuzestheologie und machte deutlich, dass und wie Gott im Leiden Christi erkannt werden kann. W ie die Kreuzestheologie in der Predigt entfaltet werden kann, war das Thema von Prof. Dr. Helmut Schwier, der dazu 30 Predigten zu 1 Ko

r 1,18-25 untersucht hatte. Die besten und in Ausschnitten vorgestellten Predigten waren davon geprägt, dass sie Kreuzestheologie nicht erklären, sondern erzählen oder erzählungsaffin weitergeben. Er warnte vor zu vergangenheitsbezogenen Predigten einerseits, aber auch vor dem hermeneutischen Kurzschluss einer zu unkritischen Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart. Ebenso brauche die gegenwärtige Christuspredigt die theologische Spannung von Kreuz und

Auferweckung, Kreuz und Nachfolge. Diese Spannung sei zu halten und nicht aufzulösen, meinte Prof. Schwier in seinem Referat.

Heidelberger Disputation 2018

Neu lebendig werden sollte die Heidelberger Disputation in einer aktualisierten Neuauflage mit Prof. Dr. Christoph Markschies und jungen Theologinnen und Theologen, die einen Hochschulpreis des Evangelischen Bundes gewonnen hatten. Zwar brachte ein geänderter Zeitplan und

die kreative Zugfolge der Bahn den Organisatoren etwas Stress. Die malerische Kulisse und die barocke Pracht des Schlosshotels Molkenkur am Berg oberhalb des Heidelberger Schlosses entschädigten aber für alles Hin und Her. Das fürstliche Ambiente bot auch den Rahmen für die Verleihung des diesjährigen Hochschulpreises des Evangelischen Bundes Baden.

Wunder werden wahr

Was bestimmt ein Wunder? Haben Sie schon Wunder erlebt? Diese Einstiegsfragen zum Workshop von Pfarrer Tim van de Griend über Kreuzestheologie und Wunderglaube in Migrationsgemeinden sorgten sofort für eine lebhafte Diskussion. Einig waren sich die Teiln

ehmenden, dass nicht allein die Durchbrechung eines Naturzusammenhanges das Wunder konstituiert, sondern Wunderbares oft im täglichen Leben erlebt werden kann. Voraussetzung dafür ist immer, dass man bereit ist, es im Glauben zu erkennen und wahrzunehmen. In einem Wunder wird Gottes Handeln in der Welt an mir spürbar. Zum Problem wird es, wenn Wunder verfügbar gemacht und durch bestimmte Gebetstechniken erzeugt werden sollen. Andere Workshops befassten sich mit dem

Katechismus von Johannes Brenz, der Vision von Kirche bei Martin Bucer, der Kreuzestheologie im europäischen Protestantismus und seiner Bedeutung für die Kirchenleitung.

Stadt, Land, Fluss

Ein Stück stromauf am Neckar liegt auf einer Anhöhe das Stift Neuburg. Die Schifffahrt dorthin ist nicht nur wegen der traumhaften Ausblicke auf Stadt und Schloss ein Erlebnis. Wer bei der Schleuse auf dem Oberdeck nicht sitzen bleibt, wird einen Kopf kürzer gemacht. Im Jahr 1130 als Benediktinerkloster errichtet beherbergte das Stift Neuburg später Zisterzienserinnen, eine Reformbewegung innerhalb des Benediktinerordens. Nach Reformation und Säkularisation wurde es schließlich 1926 neu als Benediktinerabtei gegründet. Derzeit leben dort elf Mönche, wie Bruder Bruno anschaulich berichtete. Weitere Exkursions- gruppen besichtigten das Melanchthonhaus in Bretten, Stadt und Schlosspark Schwetzingen und verschiedene Stationen evangelischer Kirchengeschichte in Heidelberg. Auch Goethe verband mit Heidelberg einige Erlebnisse, die Prof. Plathow beim Abschiedsabend zu Gehör brachte

Ausblick

Die 111. Generalversammlung ist für den 24. bis 27. Oktober 2019 in Paderborn geplant und wird sich unter dem Motto „Christentum zwischen Palmen und Minaretten“ mit den orientalisch- orthodoxen Kirchen beschäftigen und Exkursionen in orthodoxe Klöster anbieten.