Diskussionsrunde mit Aram Ayman (v. l.), Linda Kapplan, dem Kirchenoberhaupt Moran Mor Ignatius Aphrem II., Stayfo Turgay und David Demir

Diskussionsrunde mit (v.l.) Aram Ayman, Linda Kapplan, Moran Mor Ignatius Aphrem II., Stayfo Turgay und David Demir

Mit einem Gottesdienst und einer Segnungsfeier ist am Sonntag im westfälischen Warburg der erste Kirchentag der syrisch-orthodoxen Kirche zu Ende gegangen. Zelebriert wurde der Abschlussgottesdienst vom Oberhaupt der Kirche, Ignatius Aphrem II. Karim aus Damaskus. Die Besucher kamen nicht nur aus Deutschland, auch aus den Niederlanden, Schweiz, Österreich, Belgien, Schweden und dem Libanon waren Gläubige angereist. In Diskussionen, Vorträgen, Führungen, Ausstellungen und Gottesdiensten im Warburger Kloster St. Jakob von Sarug war es seit Freitag neben Glaubensfragen unter anderem um die Lage der Christen im Nahen Osten gegangen. In der Region drohe “eine Entwurzelung der Urbevölkerung des Nahen Ostens”, warnte Ignatius Aphrem II. nach Angaben eines Sprechers mit Blick auf die Verfolgung und Vertreibung von Christen unter anderem in Syrien. Die einst friedliche Koexistenz unterschiedlicher Religionen und Völker sei in großer Gefahr. Der Patriarch sprach von einem “Genozid” und forderte die Errichtung einer Schutzzone durch die internationale Gemeinschaft.

Einer der Programmhöhepunkte war am Samstag eine Podiumsdiskussion mit Jugendlichen und dem Patriarchen. Vier junge Erwachsene und der Oberhirte diskutierten auf der Hauptbühne im Klostergarten vor rund 1.000 Zuschauern in syrisch-aramäischer Sprache über die Zukunft ihrer Traditionen und des Glaubens. “Vergrößert sich die Distanz zwischen der klassischen syrisch- aramäischen Sprache und der Umgangssprache?”, wollte David Demir (24) vom Patriarchen wissen. Moran Mor Ignatius Aphrem II. gab zu verstehen, dass auch er diese Befürchtung teile. “Es sollte keine Differenz zwischen umgangssprachlichem Syrisch und klassischem Syrisch geben”, so der Geistliche. “Meine Sorge ist, dass sich die Strömungen so weit voneinander entfernen, dass sich daraus zwei verschiedene Sprachen entwickeln”, äußerte das Kirchenoberhaupt. In einer weiteren Podiumsdiskussion ging es auch um den Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich vor 100 Jahren.

An die syrisch-orthodoxen Christen in Deutschland und besonders an die Jugend appellierte das Kirchenoberhaupt, sich mit politischem, sozialem und wirtschaftlichem Engagement in die Gesellschaft zu integrieren. Ziel des Kirchentags nach dem Vorbild von evangelischer und katholischer Kirche sei es gewesen, die Kirche erlebbar zu machen und die Menschen in ihrem Glauben zu festigen, sagte Ignatius Aphrem II., der erstmals die Erzdiözese in Deutschland besuchte.

Die syrisch-orthodoxe Kirche, in der bis heute Aramäisch – die Sprache Jesu – gesprochen wird, zählt zu den ältesten Kirchen weltweit. Der seit dem vergangenen Jahr amtierende Patriarch Ignatius Aphrem II. hat seinen Sitz in Damaskus. In Deutschland zählt die Kirche nach eigenen Angaben schätzungsweise 100.000 Gläubige in rund 60 Gemeinden. Sitz des Patriarchalvikariats der Kirche ist das Warburger Kloster.

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