Annina Völlmy aus der Schweiz und Anna Elisa Koch aus Dudenhofen wurde am Freitag der Hochschulpreis 2020 des Ev. Bundes in Württemberg für hervorragende wissenschaftliche Arbeiten zum Thema „Judentum und Christentum“ aus der Hand des württembergischen Landesbischofs Dr. Otfrid July verliehen.

Da ist noch mehr als Luther – diesen Gewinn bringt die Lektüre der wissenschaftlichen Hausarbeit „Straßburger Reformatoren und das Judentum: Ein Vergleich zwischen Schriften Martin Bucers und Wolfgang Capitos“, die Anna Elisa Koch bei Prof. Martin Wallraff (LMU München) verfasst hat.

Im Fall von Wolfgang Capitos Hoseakommentar lohnt die aufwändige Befassung mit dem lateinischen Text: Anders als Bucer findet Capito den „semen electionis“ nicht allein unter den Gläubigen der Kirche, sondern auch unter Juden und Muslimen! Eine facettenreiche, vor allem tolerante Haltung zu Juden und Judentum lässt sich da entdecken – Impulse, die auch für heutige Gesprächskonstellationen fruchtbar zu machen wären.

Aus der Basler theologischen Fakultät stammt die Bachelor-Arbeit „Ihr seid – dem Vater nach – des Teufels.“ Annina Völlmy unternimmt mit dieser Arbeit (bei Prof. Moyses Mayordomo) die Suche nach einem verantwortungsvollen Umgang mit Joh 8,44 angesichts der Shoah. Es ist beeindruckend, wie nachdrücklich und überzeugend die Autorin die Versuche hinterfragt, die Theologie des Evangelisten vom Vorwurf des Antijudaismus zu entlasten. Denn zuerst und zuletzt haben wir den Text – alle Annahmen über die Bedingungen, unter denen Johannes sein Evangelium verfasst hat, bleiben spekulativ. Johannes 8,44 ist ein antijüdischer Text – das ist am Ende ihr Verständnis und man vermag ihr dabei zu folgen.

Wie damit umgehen? So sehr dieses Urteil auch schmerzen mag, die Autorin  findet einen eigenständigen und überzeugenden Ansatz: Diese Attribuierung muss der christlichen Gemeinde selbst und nicht „den Juden“ zugemutet werden – das ist für Völlmy „Ver-Antwort-ung“ vor dem Text, der uns doch Wort Gottes sein will. Diesem wird nämlich auf diese Weise, auch da kann man ihr leicht folgen, und gerade im Blick auf die Shoah im Fall von Joh 8,44 die absolute Gültigkeit nachhaltig bestritten.

In seiner Laudatio auf die Arbeit von Annina Völlmy, die schon ein Cello-Studium unter anderem in St. Petersburg absolviert hat, würdigte Bischof July auch die kompositorische Qualität dieser wissenschaftlichen Arbeit – erstaunlich außerdem, wie die Preisträgerin am Cello mit ihrem Partner Ilja Völlmy-Kudrjavtsev an der Orgel auch den Kirchenraum zum Klingen und so eine weitere Dimension zu Gehör brachten.

Während Anna Elisa Koch mittlerweile in Edinburgh an einer Dissertation auf dem Feld komparativer Theologie arbeitet, wird Annina Völlmy in Kürze das Vikariat in der Basler Kirche antreten – eine Rückkehr in die wissenschaftliche Theologie ist aber fest im Blick.

Es war erfreulich, dass zu diesem Thema insgesamt 10 Arbeiten eingereicht wurden. Und überzeugend ist die inhaltliche Güte der beiden von der Jury ausgezeichneten Arbeiten. Ob von den beiden Verfasserinnen noch zu hören sein wird? Es wäre nicht zum ersten Mal der Fall – was für die Qualität des Hochschulpreises spricht.

Wenn Sie neugierig geworden sind und für die Urlaubszeit etwas theologische Anregung suchen, finden Sie nachstehend die beiden Arbeiten zum Download.

CK/TN

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