v.l.n.r. Gerd Bautz (Moderator), Sandro Witt (DGB), Janine Wissler (die LINKE), Margot Käßmann, Frank-Thilo Becher (SPD), Eva Goldbach (Grüne), Renate Sterzel (FDP), Silke Westphal (Arbeitskreis evangelischer Unternehmer), Ksenia Aukustat (Moderatorin)

Über Gott wird in der Öffentlichkeit so gut wie nicht gesprochen, schon gar nicht am Arbeitsplatz. Religion ist da schon eher ein Thema, oder gar die Kirche. Da wird vielleicht von der Taufe des Enkels berichtet, und da kommen dann auch Themen von Al-Kaida bis Missbrauch auf den Tisch und von Burka bis Kirchensteuer. Die Frage, ob es so etwas wie ein höheres Wesen gibt, lässt sich dann kaum noch vermeiden, aber Gott beim Namen zu nennen, das wagen doch die wenigsten.

Wie schwer es ist, von Gott zu reden

Schon vor hundert Jahren sprach der Schweizer Theologe Karl Barth davon, dass es eigentlich unmöglich sei, von Gott zu reden, und es dennoch zu müssen. Es sei so schwer, über Gott etwas zu sagen, weil Gott so gänzlich verschieden sei von allem aus dieser Welt. Barth wetterte gegen die falsche Rede von Gott, als deutsche Pfarrer zum Feldzug für Gott und Vaterland aufriefen und auf den Koppelschlössern der Soldaten „Gott mit uns“ zu lesen war.

Bereits dieses Beispiel zeigt, das es sogar weltpolitisch bedeutungsvoll sein kann, ob und wie von Gott geredet wird.  Um der Rede von Gott und dem Handeln in der Welt nachzugehen, hatten der Evangelische Bund Hessen und die Martin-Niemöller-Stiftung am 1. Februar 2020 zu einer Tagung mit dem Titel „Um Gottes willen“ nach Frankfurt am Main eingeladen. Mehr als hundert Teilnehmer waren gekommen, um bekannte Theologinnen wie Margot Käßmann zu hören, aber auch die persönlichen Stellungnahmen von Politikern und einer Unternehmerin.

„Die einen vermeiden das Wort Gott und andere nehmen es ungebrochen in der Mund“, sagte Christine Tietz. Die in Zürich lehrende Theologin erklärte, wie Barth seine Zeitgenossen aufgefordert habe, dennoch von Gott zu reden. Im Unterschied dazu sei Religion ein Versuch des Menschen der Beunruhigung durch Gott auszuweichen.  So schmücke die Religion das gesellschaftlich Leben mit allerlei Bräuchen, Festen und Dogmen aus, um damit die eigene Relativität zu überbrücken. „Die Menschen suchen aber nach Gott als Antwort auf ihre letzten Fragen.“

Vom Wort zur Tat

Und weil es so schwer ist, von Gott zu reden, wechseln viele Menschen vom Wort in die Tat. So führte Margot Käßmann  den Bürgerrechtler Martin Luther King oder den früheren hessen-nassauischen Kirchenpräsidenten Martin Niemöller als Beispiele dafür an, wie sich die Rede von Gott immer auch mit der Tat verbindet. „Wir brauchen Protestanten in der Welt, die ihre Verantwortung als Christen übernehmen.“

In der modernen Wissensgesellschaft können viele nicht mehr verstehen, warum überhaupt noch vom Glauben gesprochen wird. Für den Berliner Philosophen und Rechtswissenschaftler Volker Gerhardt sind Wissen und Glauben keine Gegensätze, ja, Wissen und Glauben seien aufeinander angewiesen. Schließlich lehre uns das rationale Wissen nicht, wie wir leben werden. Da könne nur der Glaube gegensteuern, der mit seiner Wahrheit am Leben erhalte. „Das Dasein des Menschen kann nicht durch ein Wissen vollständig ausgelotet werden.“

Reden über Gott und die Welt

Weil es so schwer ist, über Gott zu reden, sprachen sowohl Gerhardt als auch Käßmann und Tietz sowie die Politikerinnen und die Unternehmerin über das, was jeder vor Augen hat, diese Welt. Aus einer der Gesprächsinseln kamen Sätze wie dieser aufs Podium: „Wir brauchen eine Form von Mehrsprachigkeit, dann ist christliche Nächstenliebe als Solidarität und die Bewahrung der Schöpfung als Klimaschutz verständlich.“

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