Der Evangelische Militärbischof Sigurd Rink berichtet vor Pressevertretern über seinen Afghanistan-Besuch Militärbischof berichtet über Afghanistan-Besuch (Foto: Militärseelsorge/Sven Weigert)

Der Evangelische Militärbischof Sigurd Rink berichtet vor Pressevertretern über seinen Afghanistan-Besuch
Militärbischof berichtet über Afghanistan-Besuch (Foto: Militärseelsorge/Sven Weigert)

„Einiges ist gut in Afghanistan.“ Mit diesen Worten hat der evangelische Militärbischof Sigurd Rink (Berlin) seine Eindrücke von einer Reise in das Land am Hindukusch zusammengefasst. Er nahm damit Bezug auf eine Äußerung der früheren EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann (Berlin), die Anfang 2010 gesagt hatte: „Nichts ist gut in Afghanistan.“ Sein verhaltenes, aber zuversichtliches Urteil stützte Rink auf Erfolge im Gesundheits- und Schulwesen, einer rudimentären Demokratisierung durch Wahlen sowie die Arbeit der polizeilichen und militärischen Kräfte im Land, die für mehr Sicherheit sorge. Rink besuchte erstmals das Bundeswehrkontingent im Feldlager Masar-i-Scharif. In Afghanistan helfen in diesem Jahr bis zu 850 deutsche Soldaten bei der Ausbildung und Beratung der einheimischen Sicherheitskräfte. Die Bundeswehr helfe mit ihrem Unterstützungseinsatz „Resolute Support” bei der Ausbildung von Militär und Polizei, deren Anzahl bei etwa 180.000 Mann liege. Zudem habe sich der Ausbau des zivilen Flughafens Mazar-e Sharif in einer Größenordnung von 40 Millionen Euro zu einem der größten Projekte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit entwickelt. Die Einwohnerzahl von Kabul habe sich in den vergangenen Jahren praktisch verdoppelt und liege nun bei 400.000.

Rink hob in seinen Einschätzungen hervor, dass politisch noch unklar sei, wie lange die Unterstützungsaktion der Bundeswehr nach einem jetzt 14 Jahre dauernden Einsatz noch andauern solle. Noch müsse man die Lage im Land am Hindukusch als Bürgerkrieg bezeichnen und es gelinge nur schwer, die Konflikte im Zaum zu halten. Rink räumte allerdings ein, dass in Afghanistan nach wie vor ein Bürgerkrieg im Gang sei: „Wir haben es noch nicht mit einer befriedeten Bevölkerung zu tun.“ Noch könne niemand sagen, ob der militärische Einsatz nachhaltig oder vergeblich sein werde. Aktuell hätten beide Seiten im Konflikt sogar mit einer erheblichen Steigerung der Verluste zu tun. Noch könne niemand die Frage beantworten, ob der militärische Einsatz nachhaltig oder vergeblich sein werde. Ein baldiger Abzug der Bundeswehr erscheine ihm aber zu früh, falls dieser schon in naher Zukunft vollzogen werden sollte.

Die Seelsorge sei ein wichtiger Bestandteil im Leben der Soldaten und Soldatinnen vor Ort. Für die Einsatzkräfte gebe es eine von beiden Konfessionen genutzte Kapelle, die hoch frequentiert sei. Es gebe Pläne, das kleine Gebäude mit einem Eingangsportal mit nach Deutschland zurückzunehmen und als Gedenkort neu aufzustellen. Dass sich die Seelsorge gegenüber anderen Religionen nicht verschließe, mache eine kleine Moschee deutlich, die auf dem Gelände des Feldlagers Mazar-e Sharif allen Muslimen zum Gebet offen stehe.

Zur Zukunft weiterer Begleitungen von Auslandseinsätzen durch Seelsorger kündigte Rink Besuche beim Atalanta-Einsatz, im Baltikum und auf den Schiffen der Bundesmarine im Mittelmeer, an. Die Flüchtlinge auf den Schiffen verblieben jeweils nur wenige Tage an Bord, bevor sie in Italien an Land gebracht würden. Hauptaufgabe der Militärgeistlichen sei die Betreuung der betroffenen deutschen Marinesoldaten; aber es sei eine Herausforderung, darüber hinaus auch Hilfsangebote für die traumatisierten Menschen zu schaffen, die an Bord kommen – über Sprachgrenzen hinweg und über die Möglichkeiten speziell der Militärseelsorge hinaus.

Rink sprach unter anderem in einer Abendandacht zu den Soldaten. Dabei sagte er, manchmal brauche es im Leben so etwas wie einen Propheten, eine „ehrliche Haut“, die Menschen aus dem Trott reiße und zum Nachdenken bringe. In der Bibel passierten solche Geschichten immer wieder: „Unabhängig von Rang, Dienstgrad, Stellung redet Gott durch seine Boten dazwischen.“ Im Feldlager in Masar-i-Scharif gibt es eine von evangelischen und katholischen Christen genutzte Kapelle, die laut Rink stark besucht ist. Es gebe Pläne, das Gebäude mit nach Deutschland zurückzunehmen und als Gedenkort für getötete deutsche Soldaten neu aufzustellen. In Afghanistan kamen 56 Bundeswehrangehörige ums Leben.

KA/Kirchenamt der  Bundeswehr/idea