Logo Reformationsstadt Europas

Mit dem österreichischem Villach, dem französischen Straßburg und dem ungarischen Sárvár werden Städte aus drei weiteren Ländern „Reformationsstadt Europas“. Das Label, das von der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) im Hinblick auf das 500. Jubiläum der Reformation vergeben wird, ist damit bereits im ersten Jahr der Ausschreibung in fünf europäischen Ländern angekommen.

„Wir bearbeiten derzeit 26 konkrete Ansuchen von Städten aus zwölf Ländern“, erklärt GEKE Generalsekretär Bischof Michael Bünker.

Die Stadt Villach in Kärnten mit ihrer Lage im Grenzgebiet von Österreich, Slowenien und Italien war ein Zentrum der frühreformatorischen Bewegung. Sie hatte eine Schlüsselstellung für die Ausstrahlung der Reformation in die angrenzenden Kulturräume. Der Kärntner Superintendent Manfred Sauer und die Stadt arbeiten gemeinsam an einem Konzept, die Rolle Villachs in der Reformationszeit für das heutige Publikum aufzubereiten.

Straßburg war neben Wittenberg und Zürich (beide bereits “Reformationsstädte Europas”) eines der großen Zentren in der reformatorischen Bewegung des 16. Jahrhunderts. Für 2017 wird ein Programm anvisiert, in dem die exponierte Stellung, die Katharina Schütz-Zell in der Reformation Straßburgs einnahm, thematisiert werden soll. Katharina Schütz-Zell gehörte zu den wenigen Frauen, die in der Reformationszeit als Schriftstellerinnen in die Öffentlichkeit traten.

Die Stadt Sárvár spielte als Zentrum der transdanubischen Reformation eine maßgebliche Rolle in Ungarn. Dem einflussreichen ungarischen Magnaten und Palatin Thomas III. Nádasdy ist zu verdanken, dass eine der ersten Druckereien in Ungarn an seinem Hof in Sárvár, der Verbreitung der Reformation beitragen konnte. Er beauftragte 1541 Johann Sylvester das Neue Testament ins Ungarische zu übersetzen und zu drucken. Diese Bibel war gleichsam das erste in ungarischer Sprache gedruckte Buch. Daher wird die Stadt Sárvár das „ungarische Wittenberg“ genannt. Hier wirkte im Jahr 1535 der „ungarische Luther“ Mátyás Bíró Dévai, der als Wanderprediger das Gedankengut der Reformation im ganzen Land verbreitete.