Dr. h.c. Christian Schad, Präsident des Evangelischen Bundes,
zum Holocaustgedenktag am 27. Januar 2024:
„Hüte dich nur und bewahre deine Seele gut,
dass du nicht vergisst, was deine Augen gesehen haben,
und dass es nicht aus deinem Herzen kommt dein ganzes Leben lang.“
(5. Mose 4, 9a)

Der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am 27. Januar wurde im Jahr 2005 von den Vereinten Nationen zum Gedenken an die Shoa, den nationalsozialistischen Völkermord an rd. 6 Millionen Juden, und den 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau eingeführt.

 

Auch heute, 79 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, wird das Land Israel mit der Auslöschung von der Landkarte bedroht – und müssen sich in unserem Land lebende Jüdinnen und Juden wieder besonders gefährdet fühlen.
Am 25. November 2023 fand ein Treffen von Rechtextremisten in Potsdam statt, bei dem ein „Masterplan zu Remigration“ vorgestellt wurde, der die Deportation bestimmter Bevölkerungsgruppen aus Deutschland vorsieht, nämlich von Asylbewerberinnen und -bewerbern, von Ausländern mit Bleiberecht sowie von „nicht assimilierten“ deutschen Staatsbürgerinnen und -bürgern.
All das zeigt: Das Erinnern an den Rassenwahn der Nationalsozialisten und den systematisch geplanten Völkermord, dem zusammen mit den 6 Millionen Juden auch geschätzte 220.000 bis 500.000 Sinti und Roma zum Opfer fielen, ist eine immerwährende Aufgabe. Auch für uns Christen ist der eingangs zitierte Appell aus dem 5. Mosebuch, nicht zu vergessen, aktuelles Gebot: uns zu wehren gegen Nationalismus, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit und diejenigen in die Schranken zu weisen, die Hass und Ausgrenzung säen. Erinnern heißt: die Opfer zu würdigen, ihr Leid als Stimme des Protests wahrzunehmen und neuen Gräueltaten durch Aufklärung vorzubeugen. Denn Hetze gegen Andere, Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus, dürfen nie mehr die Oberhand gewinnen über Menschenrechte und Toleranz.
 
Der Holocaustgedenktag proklamiert die Würde all der Menschen, die aufgrund ihrer Religion, ihrer Herkunft, ihrer politischen Überzeugung oder anderer Einstellungen zum Leben verachtet, verfolgt, ermordet wurden. Die erinnernde Vergegenwärtigung des Unrechts, das sie erlitten haben, ist für uns Ansporn, uns unbeirrt für die gleiche Würde aller Menschen einzusetzen und jeder Form von Populismus und Diskriminierung entschieden entgegenzutreten.
CS/TN

Ansprechpartner

Dr. h.c. Christian Schad
Präsident Evangelischer Bund e.V.