Unter dem Thema „Bekenntnisse Heute. Zwischen Nizäa und Pop Up Church“ lud der Evangelische Bund Hessen zur Jahrestagung nach Frankfurt ein. Vom 25. bis 27. September 2025 trafen sich Mitglieder und Interessierte in der Evangelischen Akademie Frankfurt zu einem spannenden Studientag, erlebnisreichen Exkursionen und einem kurzweiligen Abendprogramm. Die Tagung war zugleich die 115. Generalversammlung des Evangelischen Bundes.

Das Anliegen war ambitioniert: Ein Bogen sollte gespannt werden von Nizäa, der antiken Bekenntnissynode vor 1700 Jahren, bis in die gegenwärtigen kirchlichen Praxisfelder wie Pop Up Church und Ökumene. Theologisch anspruchsvoll, interaktiv und ebenso für Studierende wie alte Hasen lebensnah sollte Weitergetragenes und Durchtragendes in Gespräch und Diskussion freigelegt werden. Das alles durchaus auch unterhaltsam, inmitten wertvoller Begegnungen an verschiedenen interessanten Orten, kulinarisch vielfältig mit guter Laune und hessischem Lokalkolorit.

Nun, wohl die meisten der rund 80 Teilnehmenden und Tagesgäste des Studientages werden zustimmen, dass es den zwölf Referierenden mit ihren Impulsvorträgen, den Responsen und den Seminaren sowie den vielen helfenden und gestaltenden Händen des hessischen Landesverbandes, der Geschäftsstelle und des Bundesvorstandes gelungen ist, einen geeigneten Rahmen zu schaffen, den die Teilnehmenden dann mit zusätzlichem Leben füllen konnten. Es war eine gute und sehr schöne gemeinsame Tagung!

GV Frankfurt 2025 EröffnungsgottesdienstAuftakt: Gottesdienst in der Alten Nikolaikirche
Gleich im festlich-bewegenden Auftaktgottesdienst am Donnerstag in der Alten Nikolaikirche am Römer verankerte die Stellvertretende Kirchenpräsidentin, Pfarrerin Ulrike Scherf, die Tagung mit ihrer Predigt am grundlegenden Petrusbekenntnis aus (Mt 16), das schon damals mitten in den Fragen der Zeit entstanden war. Zuvor hatte die Tagungsgemeinde selbst das Nicäno- Konstantinopolitanum gesprochen und wurde liturgisch von Pfarrerin Astrid Maria Horn und Pfarrer Matthias Ullrich in das Bekenntnisthema eingeführt. Von da aus konnte nicht nur Pfarrer Martin Bräuer D.D., den Pfarrer Dr. h.c. Christian Schad dankbar und wertschätzend in den Ruhestand verabschiedete, den neuen Wegen vertrauen, sondern alle Besucher konnten gemeinsam weiter die Spur der Bekenntnisfrage aufnehmen.

GV Frankfurt 2025 EröffnungsabendBegrüßungsabend im Bibelhaus ErlebnisMuseum
Von der Kirche ging es ins Bibelhaus ErlebnisMuseum zu einem Begrüßungsabend. Nach einem Sektempfang versetzten sich die Teilnehmenden andächtig mit „Amazing Grace“ am symbolträchtigen Ort um die Replika des Fischerboots aus der Zeit Jesu ein wenig in die bekenntnismäßige Ursituation. Dr. h.c. Christian Schad und die beiden Vorsitzenden Matthias Ullrich und Astrid Maria Horn eröffneten anschließend die Tagung offiziell. Nach Buffet und Gespräch inmitten der antiken Artefakte und der überaus gemütlichen Atmosphäre nahm uns zuerst Museumsdirektor Veit Dinkelaker, ausgehend von einer frühchristlichen Amulettsammlung und der Kalenderinschrift von Priene, und später auch Sven Lichtenecker mit auf eine Reise durch das gesamte Museum und damit durch die biblische Welt und die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte religiöser Bekenntnisse.

GV 2025 Prof. Thorsten Dietz und Prof. Rebecca Müller @Tanja NoéThemenreicher Studientag
Für den Studientag am Freitag gab die Evangelische Akademie eine professionelle, einladende und uns gut versorgende Herberge für ein anspruchsvolles Tagungsprogramm ab. Den Aufschlag machte, ganz in kirchengeschichtlich diachroner Reihenfolge, Prof. Dr. Karl Pinggéra, der in seinem Vortrag den historischen Rahmen des Nizänums und seine Wirkung bis heute untersuchte. Er veranschaulichte diese Frage überaus kreativ und kenntnisreich mithilfe der Deckengemälde aus der Klosterbibliothek in St. Gallen. In ihrer Response lobte Dr. Anna Krauss, Direktorin des LWB-Zentrums Wittenberg, die gelungene Verknüpfung des Themas mit der visuellen Darstellung, verband damit aber auch Fragen, die auf den historischen Graben zum Nizänum Bezug nahmen. Eben in diese gegenwärtigen Fragen nahm Prof. Dr. Thorsten Dietz das Auditorium mit. Bei Bekenntnissen handele es sich in der religiösen Welt um etwas sehr Ambivalentes und Vielschichtiges, bei dem die Herausforderung im Wir liege. Er verband seine Thesen sehr kurzweilig auch mit persönlichen Erfahrungen. In ihrer Response verwies Prof. Dr. Rebecca Müller, Direktorin des Theologischen Seminars der EKHN in Herborn, auf die Prozesshaftigkeit von christlichen Bekenntnissen, die sich immer auf biblischer Grundlage, aber eben auch in ständiger
Kommunikation und theologischer Reflexion bilden.

GV Frankfurt 2025 Workshop Propst Oliver Albrecht und Pröpstin Henriette CrüwellWorkshops und spannende Diskussionen
Die breite Bedeutung des Bekenntnisthemas wurde anschließend in sieben Workshops spürbar. Dabei nahmen die Fachleute aus dem Konfessionskundlichen Institut Dr. Lothar Triebel, Dr. Kai Funkschmidt und Dr. Dagmar Heller sowie Dr. Dr. Peter Noss, Pröpstin Henriette Crüwell und Propst Oliver Albrecht wie auch Dr. Katharina Scholl und Dr. Mark Linden sowohl das ökumenische als auch das aktuell gesellschaftliche und pädagogische Spektrum in den Blick. Die dort gewonnenen Einsichten konnten am Nachmittag in einem Abschlussplenum und Podium, das Dr. Juliane Schütz moderierte und in dem nochmals Thorsten Dietz Stellung nahm, unter der Überschrift „Das nehme ich mit“ gemeinsam auch vor dem Hintergrund des Vormittagsprogramms ausgewertet werden.

GV Frankfurt 2025 Exkursion StadionExkursionen und Abschlusspodium
Vom gemeinsamen „Glauben. Zusammen. Denken.“ dieses Tages verteilte sich die Studiengemeinschaft am späten Nachmittag in Exkursionen über das Museumsufer und das Stadtgebiet. Es ging mit Dr. Dr. Peter Noss in die Stadionkapelle und das Eintracht-Museum, es wurde angeführt von Dr. Jeffrey Myers und Hans Jürgen Basteck gepilgert sowie mit Elisabeth Engler-Starck das jüdische Museum und mit Dr. Dagmar Heller das Ikonenmuseum besucht. Den lockeren und kulinarischen Ausklang bildete ein Hessischer Abend mit entsprechendem Buffet u. a. inklusive der obligatorischen Grünen Soße und natürlich Ebbelwoi. Kurzweilig und mit einem Augenzwinkern umrahmte Dr. André Barth musikalisch ein vom Vorstand des EB Hessen vorbereitetes Quiz, bei dem man nicht allein sein Wissen über die EKHN und EKKW auch hinsichtlich skurriler Fakten unter Beweis stellen, sondern auch viele nützliche Informationen über die beiden Landeskirchen
erfahren konnte.
Am Samstag erkundeten die Teilnehmenden zunächst in Gruppen beim Bibelteilen Joh. 4, bevor Oberkirchenrätin Christina Schnepel vom Zentrum Ökumene der EKHN und EKKW das Podiumsgespräch mit der Leitfrage „Wie steht es um die Einheit?“ eröffnete. Die Expertin und die Experten des KI, inklusive Pfarrer Martin Bräuer und Pfarrer Dr. Dirk Spornhauer, nahmen aus ihren jeweiligen Fachperspektiven aktuelle Fragestellungen in den Blick, eröffneten den Tagungsgästen überaus kenntnisreiche Einblicke und gaben interessante Einschätzungen zu Entwicklungen ab, die sonst jenseits der allgemeinen Wahrnehmung liegen. Vor der anschließenden Mitgliederversammlung dankte Dr. h.c. Christian Schad dem Vorbereitungsteam des EB Hessen und allen Referierenden und übergab den Staffelstab: Nächstes Jahr in Berlin!

Fotos: Tanja Noé

MG/TN

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