Besuch Evangelischer Arbeitskreis CDU Bergstraße @Tanja Noe

@Tanja Noé

Am Mittwoch, dem 21. Oktober 2026, fand erneut eine Zusammenkunft von Mitgliedern des Evangelischen Arbeitskreises der CDU Bergstraße mit Vertretern des Evangelischen Bundes im Wolfgang-Sucker-Haus in Bensheim statt. Inhaltlich ging es um die Frage, wie politisch die Kirche sein könne bzw. solle.

Der Präsident des Evangelischen Bundes, Kirchenpräsident i.R. Dr. h.c. Christian Schad, begrüßte die Anwesenden und betonte, wie segensreich es sei, dass Menschen in einer Zeit zunehmender Polarisierungen sich aus christlicher Verantwortung heraus politisch engagierten. Er stellte fest: „Der Zustand der westlichen Demokratien ist fragil.“ In den erstarkenden Autokratien weltweit seien ihnen mächtige Gegenspieler entstanden. Auch fühlten sich große gesellschaftliche Gruppen in den Parlamenten nicht mehr angemessen vertreten, weshalb sich immer mehr Menschen auf die Seite populistischer bzw. rechts- oder linksextremer Parteien schlagen würden. Die Institutionen der Demokratien, so Schad, seien zwar noch intakt, es gäbe aber deutliche Anzeichen der Erosion. Auch in Deutschland sei man gegenwärtig mit pluralen und anspruchsvollen Krisenkonstellationen konfrontiert.

Was kann in einer solchen Situation die Kirche mit ihrem spezifischen Gottes- und Menschenbild ausrichten? Dazu nahm an diesem Abend Oberkirchenrat Dr. Martin Mencke Stellung, den Christian Schad herzlich begrüßte. Er ist seit 2023 der Beauftragte der Evangelischen Kirchen in Hessen am Sitz der Landesregierung in Wiesbaden.

Mencke betonte: „Wir Christen haben nicht nur eine Beziehung zu Gott, sondern leben als an Gott Glaubende zugleich in dieser Welt“, und er fragte: „Wie wirkt sich unsere Beziehung zu Gott im Alltag der Welt aus? Wie begegnen wir einander in der Familie, im Beruf, in der Gesellschaft? Wie bringen wir uns bei der Gestaltung unserer Demokratie als Christinnen und Christen ein?“

Er wies darauf hin, dass das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland im Unterschied zu laizistischen Modellen bewusst die Kooperation zwischen dem Staat und den Religionsgemeinschaften in wichtigen gesellschaftlichen Bereichen vorsehe. Beispiele dafür seien das Angebot des Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen oder die Möglichkeit der Seelsorge in staatlichen Einrichtungen; ebenso die finanzielle Unterstützung kirchlicher Kindertagesstätten durch die öffentliche Hand.

Umgekehrt sei es eine grundlegende, wenn auch späte Einsicht der Evangelischen Kirche in Deutschland gewesen, dass sie 1985 in ihrer Denkschrift zum Thema „Evangelische Kirche und freiheitliche Demokratie“ eine besondere Nähe zwischen dem christlichen Glauben und den Spielregeln der Demokratie geltend gemacht habe. Gerade weil sie auf der Grundlage der Unverfügbarkeit der menschlichen Würde für die aktive Mitwirkung aller an politischen Entscheidungsprozessen offen sei, verdiene eine demokratische Staatsordnung die christliche Zustimmung.

Angesichts des Vormarschs extremer Parteien fragte Martin Mencke: „Was geschieht mit unserer Staatsform, wenn Demokratiefeinde an die Macht kommen – und also die Unabhängigkeit der Justiz, der Medien oder des Bundeskartellamtes und anderer staatlicher Behörden in Frage steht?“

Bevor es dazu komme, sei es die konstruktiv-kritische Aufgabe der Kirche, Verständigungsorte zu initiieren, um einerseits unterschiedlichen politischen Positionen Raum zu geben, also konkret Ambiguitätstoleranz zu üben, mithin einander widersprechende politische Sichtweisen bewusst auszuhalten, und andererseits wertorientierte Perspektiven auf der Basis des christlichen Gottes- und Menschenbildes deutlich zu benennen. In diesem Zusammenhang plädierte Mencke für „kritische Solidarität“. Damit meint er: Dem demokratischen Staat und seinen Systemen verbunden zu bleiben, sich auch in die konkreten Dilemmata, in denen politisch Verantwortliche stehen, hineinzuversetzen – und sie zugleich an ihren eigenen normativen Ansprüchen (wie Menschenwürde, Gerechtigkeit oder Freiheitsrechte) zu messen und Missstände offen zu benennen. Gerade angesichts der Krise der Demokratie brauchen wir, so Mencke, den Streit der Argumente und eine sachorientierte Auseinandersetzung.

Die sich anschließende, lebhafte Diskussion zeigte, wie hilfreich es ist, dass kirchliche Räume wie das Wolfgang-Sucker-Haus offen stehen, um als geschützte Orte des Aufeinander-Hörens sowie des freien und persönlichen Austauschs zu dienen. Die Vorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CDU Bergstraße, Stadträtin Cora Bügenburg, Zwingenberg, bedankte sich bei Herrn Oberkirchenrat Dr. Mencke und Herrn Präsidenten Dr. h.c. Christian Schad für deren Impulse. Zugleich äußerte sie den Wunsch, den Diskurs fortzusetzen und auch im nächsten Jahr wieder Gast des Evangelischen Bundes in Bensheim sein zu dürfen.

CS/TN

Ansprechpartner

Dr. h.c. Christian Schad
Präsident Evangelischer Bund e.V.