Jetzt Haltung zeigen!
Antwort des Präsidenten des Evangelischen Bundes auf die Wahl vom 6. September 2026 in Sachsen-Anhalt

Der Sieg der „Alternative für Deutschland“ (AfD) bei den Landtagswahlen am 6. September 2026 in Sachsen-Anhalt markiert eine tiefe Zäsur. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik wird in einem deutschen Bundesland eine vom Verfassungsschutz als „ gesichert rechtsextrem“ eingestufte Partei mit Abstand stärkste politische Kraft.

So sehr wir als Demokraten dieses Wahlergebnis zu akzeptieren haben, so wenig können wir – nicht zuletzt auf dem Hintergrund unserer deutschen Geschichte – jetzt einfach zur Tagesordnung übergehen.

In den Grundsätzen des Evangelischen Bundes von 2022 heißt es:
„Der Evangelische Bund bekennt sich zum jüdisch-christlichen Dialog und weist entschieden jede Form von Antisemitismus zurück. Er trägt dazu bei, das achtungsvolle Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Prägung und das interreligiöse Gespräch zu fördern.”
Der Respekt vor dem „Anderssein des Anderen“ hat sich als „Grundhaltung“ je und je neu zu bewähren.

Nach dem jüdisch-christlichen Gottes- und Menschenbild kommt jedem einzelnen Menschen – unabhängig von Herkunft, Geschlecht und sexueller Orientierung sowie von Alter, einer Behinderung, Kultur oder Religion – eine unantastbare Würde zu. Deshalb ist es heute mehr denn je das Gebot der Stunde, öffentlich jeder Form von völkischem Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit sowie von Ausgrenzung und Diskriminierung einzelner Personen oder Gruppen laut und vernehmlich zu widersprechen.
Demgegenüber setzten wir uns als Christinnen und Christen aktiv ein für Nächstenliebe, Solidarität und Dialog sowie für ein tolerantes, respektvolles und weltoffenes Miteinander in unserer Gesellschaft. Ja, unsere Haltung ist gefragt: für Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

Ich erinnere daher an diesem Tag bewusst an Strophen eines reformatorischen Bußliedes. Der evangelische Ur-Kantor Johann Walter hat 1561 sowohl den Text als auch die dazugehörige Melodie geschaffen:

„Wach auf, wach auf, du deutsches Land!
Du hast genug geschlafen.
Bedenk, was Gott an dich gewandt,
wozu er dich erschaffen.
Bedenk, was Gott dir hat gesandt
und dir vertraut sein höchstes Pfand,
drum magst du wohl aufwachen.

Die Wahrheit wird jetzt unterdrückt,
will niemand Wahrheit hören;
die Lüge wird gar fein geschmückt,
man hilft ihr oft mit Schwören;
dadurch wird Gottes Wort veracht’,
die Wahrheit höhnisch auch verlacht,
die Lüge tut man ehren.

Das helfe Gott uns allen gleich,
dass wir von Sünden lassen,
und führe uns zu seinem Reich,
dass wir das Unrecht lassen.
Herr Jesu Christ, hilf uns nun
und gib uns deinen Geist dazu,
dass wir dein Warnung fassen.“
(Ev. Gesangbuch 145, 1.5.7)

CS/TN

Ansprechpartner

Dr. h.c. Christian Schad
Präsident Evangelischer Bund e.V.