Foto: Ulrich Noetzel

Ostern – das Ende aller Gewalt- und Todesvergötzung

Ostern, was für ein Fest! Der Sieg des Lebens über den Tod. Jesus von Nazareth ist auferweckt worden. Der Verachtete, der Hingerichtete, der bis zum letzten Ende Liebende, in der Konfrontation mit der Finsternis tritt er in Erscheinung als Licht der Welt, das aufwachen lässt von bösen Träumen, das zielsicher uns sucht, unsere Augen leuchten lässt im Morgenglanz der Ewigkeit.

Wenn Jesus Christus auferweckt worden ist, dann ist Schluss mit dem Absturz, Schluss mit den Mächten und Gewalten, Schluss mit der Erniedrigung durch Ungerechtigkeit und Elend. Sein Sieg entmachtet jenes finstere Ende, das Tod heißt, indem er es verwandelt: Aus einem scheinbar letzten Wort wird Umbruch und Übergang, das Verwandlungswunder schlechthin! Jetzt wird in der unsäglichen menschlichen Schwäche, im Sterben, im Tod, die Kraft Gottes mächtig. Indem Gott selbst es im Kreuz Jesu mit dem Tod aufgenommen, ihn ausgehalten, ihn in seinem ewigen Leben sich hat aus-wirken, aus-sterben lassen, ist mit dem Tod selber etwas passiert: „Der Tod ist verschlungen in den Sieg“, sagt Paulus, „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“ (1. Korinther 15,55).

Der Vater Jesu Christi, der in seiner Schöpferkraft das Leben dem Tod, die Gerechtigkeit der Gewalt, das Licht der Finsternis, die allen Geschöpfen zugute kommende Weltordnung dem Chaos abgerungen hat wie am ersten Schöpfungstag, er ist nun der Grund unserer Hoffnung. Aber: Sie ist gefährlich! Gefährlich für alle, die Schwache treten und über Arme hinwegmarschieren; für die, die Feindbilder in die Herzen von Menschen pflanzen, die den Tod vergötzen, indem sie mit Waffen gegen das Leben vorgehen und dabei verkennen, dass Krieg und Terror immer nur Opfer, nur Verlierer, hervorbringen.

Mit Entsetzen erleben wir, wie nun schon im zweiten Jahr die Friedensordnung Europas brutal außer Kraft gesetzt wird. Fassungslos müssen wir Tag für Tag mit ansehen, wie Städte aus Flugzeugen bombardiert und mit Panzern beschossen werden. Wie Menschen Schutz suchen in U-Bahnschächten, ihre zerstörten Wohnungen verlassen – aus Angst um ihr nacktes Leben. „Nie wieder Krieg!“ – „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein!“ Das war die Lehre aus den verheerenden Auseinandersetzungen des 20. Jahrhunderts. Als „Protestleute gegen den Tod“, wie Christoph Blumhardt der Jüngere die österlichen Menschen bezeichnet hat, sind wir darum aufgerufen, alles zu tun, was dem Frieden dient, Trennendes und Zerrissenes zu überwinden und Konflikte zivilisiert auszutragen. Dazu aber bedarf es der beharrlichen Geduld. „Wenn wir hoffen, was wir nicht sehen“, sagt Paulus, „so warten wir darauf mit Geduld“ (Römer 8,25). Freilich, sie nimmt die Dinge gerade nicht, wie sie kommen. Das wäre Geduld aus Resignation. Geduld aus österlicher Hoffnung hingegen hat Hoffnung für das eigene Ich und die Anderen, öffnet, schafft Möglichkeiten, sich zu wandeln, sich zu verändern und umzukehren, gibt mir und anderen die Chance, neu anzufangen. Die Auferstehung Jesu von den Toten, sie ist der Grund für den Aufstand der Geduld und der Zuversicht gegen eine sich selbst, dem Tod und der Gewalt überlassene verzagte Welt. „Ich lebe“, sagt Jesus. „Und ihr sollt auch leben!“ (Johannes 14,19): das ist die Verheißung, die seit dem Ostermorgen allen Menschen, ja, der gesamten Schöpfung gilt.

CS/TN

 

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Dr. h.c. Christian Schad
Präsident Evangelischer Bund e.V.