2026-05-20 Pfingsten Impuls Dr. Schad

@Chen Te von Pexels

Die Selbstverständlichkeit, in Frieden und Freiheit zu leben: jäh ist sie uns abhanden gekommen. Das Recht des Stärkeren triumphiert über die Stärke des Rechts. Rache und Vergeltung, auch eine an Blasphemie reichende Instrumentalisierung der Religion für militärische und wirtschaftliche Zwecke, verstellen die Wege zu einem gerechten Frieden. Viel zu lange dauern Krieg und Zerstörung schon an: im Sudan, in der Ukraine, im Iran, in Israel, im Nahen und Mittleren Osten. Kaum auszudenken, was die seit Jahren Tag und Nacht angegriffenen Menschen erleiden: unter Drohnen, Raketen, Besetzung und Vergewaltigung. Nichts brauchen wir so dringend wie Frieden und Versöhnung als gelebte und erlebbare Grundhaltung – im Umgang miteinander, zwischen den Konfessionen und Religionen, zwischen den Völkern.

Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als Jesus das gesagt hatte, blies er sie an und spricht: Nehmt hin den Heiligen Geist!, das ist nach dem Johannes-Evangelium (21, 21 f.) das, was die Jünger an Pfingsten erfahren.

Durch den Hauch, den Odem, mit dem Gott den Menschen beatmet, wird er ein lebendiges Wesen. Einhauchung, Inspiration als Belebung des Menschen, so wird Adam geboren (vgl. 1. Mose 2, 7). An Pfingsten wiederholt Jesus diesen schöpferischen Akt. Der Auferstandene haucht den Seinen den Heiligen Geist ein: eine zweite Schöpfung, eine zweite Geburt, nämlich die aus dem Geist Jesu, die aus uns neue Menschen macht. Worin dieses Neue besteht?

Dass die Jünger damals und wir heute mit ihnen zu Botschafterinnen und Botschaftern des Friedens werden, dazu geschickt, Versöhnung mit Gott und untereinander zu stiften. Darum ist der Zuspruch des Friedens das erste Wort, das wir an Pfingsten gesagt bekommen.

„La pace sia con voi“, „Friede sei mit euch!“, das war auch das erste Wort, das Papst Leo XIV. nach seiner Wahl am 8. Mai des vergangenen Jahres von der Loggia des Petersdoms aus den Tausenden auf dem Petersplatz zurief. Seither wiederholt er den Friedensgruß des Auferstandenen immer und immer wieder – und versteht ihn, inspiriert vom heil machenden, weil vom göttlichen Schalom erfüllten Geist Jesu, als Verpflichtung, für Frieden und Versöhnung einzutreten im Kleinen, wie im Großen.

Die Sprengkraft und Dynamik dieser Friedensbotschaft, wir haben sie in den letzten Wochen auch an der Wut ablesen können, die der amerikanische Präsident an Leo XIV. ausließ.  Als Trumps Verteidigungsminister in einem Gottesdienst im Pentagon betete: „Lass jede Kugel ihr Ziel treffen gegen die Feinde der Rechtschaffenheit und unsere große Nation!“ und er Gottes Beistand erbat „für die entschlossene Gewaltanwendung gegen diejenigen, die keine Gnade verdienen“, entgegnete der Papst: „Wehe denen, die die Religionen und selbst den Namen Gottes für ihre militärischen, wirtschaftlichen und politischen Ziele  verbiegen und damit das Heilige in Schmutz und Finsternis ziehen.“ Und zu den Aggressionen, die ihn daraufhin trafen, sagte er: Er fürchte sich nicht vor dem amerikanischen Präsidenten und seiner Regierung – schon gar nicht davor, die Botschaft des Evangeliums zu verkünden. Und die lautet: Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen (Matthäus 5, 9).

An Pfingsten haucht uns Christus seinen Geist, den Geist des Friedens, ein und macht uns so zu Gottes Töchtern und Söhnen; zu Menschen, die Gottes Schalom in die Welt tragen: Friede sei mit euch!“, sagt Jesus. Und fährt fort: „Wie mich mein Vater gesandt hat, so sende ich euch!“

Christian Schad/TN

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Dr. h.c. Christian Schad
Präsident Evangelischer Bund e.V.