500 JAhre Täuferbewegung: Vernissage Michaelsgemeinde Bensheim am 22.1.2025. Dr. h.c. Christian Schad, Dr. Lothar TriebelDie Ausstellung „500 Jahre Täuferbewegung 1525-2025“ wurde am 22. Januar 2025 im Gemeindehaus der Michaelsgemeinde in Bensheim eröffnet. Zur Vernissage gehörten Vorträge und eine Podiumsdiskussion mit Kirchenpräsident i.R. Dr. h.c. Christian Schad (Evangelische Kirche der Pfalz) und Pastor Rainer Burkart (Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden).

Christian Schad hat als Kirchenpräsident viel für die Aussöhnung der Pfälzischen Landeskirche mit den in ihrem Bereich lebenden Mennoniten getan. Und so ist, wie er am Mittwoch sagte, auch „das Täufergedenken in diesem Jahr ein willkommener Anlass, nicht länger übereinander, sondern – wie heute Abend – miteinander zu sprechen, damit wir nicht mehr gegeneinander, sondern gemeinsam unseren christlichen Glauben bekennen: in einer religiös zunehmend unmusikalischen Gegenwart“. Schad ging dabei auch „auf die inhaltliche Kontroverse, nämlich das innerevangelisch strittige Thema ‚Taufe und Glaube‘“ ein. Theologische Gespräche der letzten Jahre hätten ergeben, es ginge „gar nicht mehr primär um die Fokussierung auf ein bestimmtes Taufdatum; vielmehr um den je eigenen Weg mit Gott und auf Gott zu.“ Schad betonte: „Die mit dem ökumenischen Perspektivwechsel verbundene Herausforderung besteht also darin, wechselseitig alte, exklusive Standpunkte aufzugeben und zu verlassen.“
Sie waren der Einladung der Michaelsgemeinde durch deren Gemeindeglied Pfarrer Dr. Lothar Triebel gefolgt. Triebel arbeitet im Konfessionskundlichen Institut Bensheim als Freikirchenreferent. Das Institut wird vom Evangelischen Bund e.V. getragen, dem Dr. h.c. Schad als Präsident vorsteht. Pastor Burkart war früher unter anderem als freikirchlicher Referent in der Ökumenischen Centrale der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen tätig und Mitglied des Exekutivkomitees der Mennonitischen Weltkonferenz.

Rainer Burkart erinnerte an die Dialoge zwischen Mennoniten und anderen Kirchen auf nationaler und internationaler Ebene, die unter dem Stichwort „Heilung der Erinnerungen“ etwa mit den Lutheranern 2010 zu einem Versöhnungsakt geführt haben und sich auch positiv auf das Verhältnis zwischen Mennoniten und der Landeskirche in der Pfalz auswirkten. Die Geschichte des Bruches im 16. Jahrhundert mit allen seinen Folgen, wie der Verfolgung und Marginalisierung der mennonitischen Gemeinden, gemeinsam erzählen zu können, ohne dass sich eine Seite missverstanden fühlt, sei als großer Fortschritt zu sehen. Für Gegenwart und Zukunft seien Unterschiede, die weiter bestehen, wie etwa beim Thema Taufe, heute anders zu bewerten als früher: Ob diese Unterschiede kirchentrennend sein und eine engere Gemeinschaft verhindern müssen, muss kritisch hinterfragt werden. Dabei darf auch nicht aus dem Blick geraten, dass die Situation international manchmal etwas anders aussieht als in einer deutschen Binnenperspektive. Das sei besonders bei den Mennoniten spürbar, bei denen es manche Ungleichzeitigkeit beim Thema Ökumene gebe.

Schad machte in seinem Vortrag auch deutlich, dass es bei der Tauffrage und beim Verhältnis von Frei- und Landeskirchen nicht nur um landeskirchliche und mennonitische Gemeinden geht, sondern dass z.B. auch die Baptisten mit im Gespräch sind. Die Ausstellung wie insgesamt das Gedenkjahr 2025 werden dem entsprechend hauptsächlich von der Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden und dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG / Baptisten) getragen. Eine der BEFG-Gemeinden, die Christuskirchengemeinde Bensheim-Auerbach, war explizit zur Ausstellungseröffnung eingeladen und viele Gemeindeglieder kamen der Einladung nach. Noch mehr werden erwartet, wenn am Sonntag, 26. Januar, Michaels- und Christuskirchengemeinde in der Michaelskirche zum ersten Mal gemeinsam Gottesdienst feiern werden; predigen wird der baptistische Pastor Frank te Moller.

Hintergrund ist nicht nur die „Täufer“-Ausstellung. Vielmehr haben 2024 die Ev. Kirche in Deutschland und die Vereinigung Evangelischer Freikirchen in einer Erklärung zur „Predigtgemeinschaft“ ausdrücklich dazu aufgerufen, die Veranstaltung von Gottesdiensten und die ökumenische gottesdienstliche Gemeinschaft noch weiter zu denken und intensiver zu leben als bisher. Ähnliches haben die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche in Deutschland und der BEFG 2023/2024 beschlossen, als sie untereinander eine „Kirchengemeinschaft auf dem Weg“ eingingen. Triebel war an der Erklärung zur „Predigtgemeinschaft“ maßgeblich beteiligt und wirkt seit 2019 in der Steuerungsgruppe des Täufergedenkens mit. Er freute sich, dass er die auf Bundesebene strukturierten Entscheidungen und Ergebnisse nun mit Ausstellung und Gottesdienst auch lokal in die Praxis umsetzen kann. Sowohl Triebel als auch einer der Pfarrer der Michaelsgemeinde, Markus J. Keller, haben bereits für den weiteren Lauf des Jahres 2025 Einladungen zum Predigen in der baptistischen Christuskirchengemeinde erhalten und angenommen.

Bis 12. Februar 2025 kann die Ausstellung mit acht Roll-ups bei Veranstaltungen sowie zu den Öffnungszeiten des Gemeindebüros (dienstags und donnerstags 9 Uhr bis 11 Uhr, mittwochs 15:30 Uhr bis 17 Uhr) besucht werden.

TN

Ansprechpartner

Dr. h.c. Christian Schad
Präsident Evangelischer Bund e.V.