Professor Serdar Kurnaz @Privat

Einblick in die Arbeit des Instituts für Islamische Theologie gewährte Professor Serdar Kurnaz.
Neben der in Berlin traditionsreichen evangelischen Theologie sind seit wenigen Jahren auch die katholische und die islamische Theologie an der Humboldt-Universität mit eigenen Instituten vertreten. Um einen Einblick in die Arbeit des Instituts für Islamische Theologie zu gewinnen, machte Michael Harr dort einen Besuch und sprach mit Professor Serdar Kurnaz.

Zunächst ist festzustellen, dass das Institut, das gemeinsam mit der katholischen Theologie in einem Gebäude untergebracht ist, nicht einen Neubau, sondern ein schön und praktikabel renoviertes historisches Gebäude nutzt, nämlich die ehemalige Rechtsmedizin der Charité.

Professor Kurnaz berichtet, dass im Juni 2018 das Institut gegründet wurde, wobei insbesondere der Mediävist Professor Michael Borgolte im Vorfeld das Projekt zur Gründung des Instituts an der Humboldt-Universität vorantrieb und selbst als Gründungsdirektor des islamischen Instituts fungierte.

Der dortige Lehrbetrieb begann im Wintersemester 2019/20 mit zunächst drei Gastprofessuren, von denen eine Professor Kurnaz selbst innehatte; die Ernennung erfolgte Anfang 2020. Inzwischen ist das Institut auf sechs Professuren ausgebaut und damit sehr gut ausgestattet. Die Fächer, die unterrichtet werden, sind u.a. Islamisches Recht, Koranexegese, vergleichende Theologie in islamischer Perspektive, Praktische Theologie und Religionspädagogik, Glaubenslehre und Philosophie.

Insgesamt sind es etwa 30 Personen, die zur Mitarbeiterschaft gehören. Es besteht eine gemeinsame Verwaltung mit dem katholischen Institut, wobei zu betonen ist, dass es sich hier nicht um Fakultäten handelt, sondern um „Zentralinstitute“, die zur Humboldt-Universität gehören.

Wichtig ist laut Professor Kurnaz die Zusammenarbeit und der Austausch mit der katholischen und der evangelischen Theologie, die in Berlin gelehrt werden, und der jüdischen, die in Potsdam unterrichtet wird. Zentrale Themen dabei sind „Tradition und Transformation“. Es geht um die Frage, wie sich Religionen in die heutige Gesellschaft hinein transformieren können.

Für diese Aufgabe wird eine kontextuelle, stark historisch gesehene Theologie mit interdisziplinärem Charakter entwickelt. Gerade die verschiedenen Humanwissenschaften werden in das Studium einbezogen.

Zu erwähnen ist, dass das Institut nicht an einer bestimmten Richtung des Islams orientiert ist, sondern offen für Sunniten und Schiiten der verschiedenen Schulen ist.

Als Abschlüsse werden angeboten Bachelor und Master in Haupt- und Nebenfach, Promotion als Dr. theol. (für Muslim/innen) und Dr. phil. sowie die Habilitation. Die derzeit etwa 200 Studierenden kommen vorrangig aus Berlin.

Bei der Frage nach den beruflichen Perspektiven der Absolvent/innen weist Professor Kurnaz darauf hin, dass dieses Studium keine Ausbildung zum Imam beinhaltet und bei den Studierenden auch kaum ein Interesse bestehe, diesen Beruf zu ergreifen.

Die Berufsfelder, die sich anbieten sind Integrationsprojekte, Bildungseinrichtungen, die Radikalisierungsprävention, der Journalismus. Die Hauptfelder sind jedoch der Religionsunterricht und die verschiedenen Bereiche der Seelsorge.

Wir danken Herrn Professor Kurnaz für diesen Einblick in die Arbeit seines Instituts und wünschen einen gedeihlichen Fortgang der Arbeit.

Im 2024 November wird Pfarrer Harr einen Besuch im islamischen und im benachbarten katholischen Institut anbieten. Interessierte können bei Crossroads Berlin Informationen erhalten und sich anmelden.
CROSS ROADS ist ein Projekt des Ev. Kirchenkreises Berlin Stadtmitte einer Körperschaft des öffentlichen Rechts und Teil der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

MH/TN