Mirjam Gabler ist eine der beiden Hochschulpreisträger:in des Evangelischen Bundes Württemberg. Mit ihrer Arbeit “‘… nasty in tone and not compelling or smart …’ – Donald Trump über die Predigt von Mariann E. Budde – Zur Grenzbeschreibung politischer Predigt im Licht rechtspopulistischer Predigten” hat sie die Jury überzeugt.
Wir freuen uns sehr, dass sie sich und ihre Arbeit hier vorstellt und gratulieren noch einmal herzlich zum Klaus-W.-Müller Preis 2025.
Mehr zu Mirjam Gabler
Nach dem Abschluss meines Bachelorstudiums in Erziehungswissenschaft und Kommunikationswissenschaften habe ich Ev. Theologie in Münster, Tübingen, Princeton (USA), Leipzig und Halle studiert. Aktuell bin ich für vier Monate Praktikantin in der Londoner Kirchengemeinde St Mary’s Marylebone und arbeite zudem mit verschiedenen innovativen Gemeinden und kirchlichen Projekten in London zusammen. Ab September plane ich, mein Vikariat in der Württembergischen Landeskirche zu absolvieren.
Neben Fragen zur Zukunft der Kirche und innovativen, missionalen Gemeindeformen interessiere ich mich für die Schnittstelle zwischen kirchlichen und gesellschaftspolitischen Themen.
Meine Freizeit verbringe ich gerne mit viel Gemeinschaft in schönen Cafés oder bei gemeinsamem Musikmachen und Kreativsein. Außerdem gehe ich gerne auf Reisen und erkunde neue Orte.
Warum gerade dieses Thema?
In meinem Studienjahr in den USA 2023/24 beschäftigte ich mich viel mit Fragen zum Verhältnis von Politik und Kirche u.a. im Vergleich zwischen den USA und Deutschland. Das Jahr vor den Wahlen, die Ereignisse des 7. Oktober, Auseinandersetzung mit tief sitzendem strukturellen Rassismus, Segregation und den Konsequenzen des Kolonialismus – all das beeinflusste Interaktionen und Gespräche und auch die theologische Reflexion.
In einem Kurs zu Predigt und Trauma untersuchten wir z.B., welchen Auftrag, aber auch welche Macht Predigt im Kontext von u.a. historischen, rassistischen, intergenerationalen Traumata inne hat. Nachdem ich zurück in Deutschland ein Seminar zu Kirche im Rechtspopulismus besuchte, wollte ich konkret der Frage nach politischer Predigt und ihren Grenzen in diesem Kontext weiter auf den Grund gehen, die mit dem Erstarken rechtspopulistischer Narrative aktuell leider wieder sehr relevant ist.
In einer politisch aufgeladenen, polarisierten Zeit wie unserer und besonders im Kontext der Präsidentschaftswahl in den USA und der Bundestagswahl in Deutschland, war mein Anliegen, Kriterien für politische Predigt bzw. ihre Grenzen zu formulieren, die nicht rein inhaltlich begründet sind, sondern auf die sich politisch bzw. theologisch eher links oder rechts positionierte Menschen einigen könnten.
Was ist die Kernaussage Ihrer Arbeit?
Im empirischen Teil meiner Arbeit untersuchte ich drei Predigten aus dem Zeitraum von jeweils drei Monaten vor den Wahlen in den USA und Deutschland, um sie mit dem wissenschaftlichen Diskurs ins Gespräch zu bringen und Kriterien für politische Predigt bzw. ihre Grenzen aufzustellen.
Ein Dilemma bei der Grenzbeschreibung bestand darin, einerseits zu ermöglichen, dass Predigt Partei ergreift, um sich für Gerechtigkeit einzusetzen und Kritik am gesellschaftspolitischen Status Quo zu üben, ohne gleichzeitig (rechts-)populistische Rede gegen “die Eliten” oder Täter-Opfer-Umkehr zuzulassen.
Als zentral für die Achtung der Grenzen politischer Predigt stellten sich der Verzicht auf Enthumanisierung politischer oder theologischer “Gegner” und ein selbstkritisches Prediger:innen- und Gemeindeverständnis heraus. Partei zu ergreifen gelingt dann, wenn auch Kritik nach innen betrieben wird und die Kritik nach außen demütig, differenziert und fair formuliert wird, so dass man sich mit “Gegnern” gemeinsam als vergebungsbedürftig wahrnimmt. Letztlich sollte in jeder politischen Predigt spürbar sein, dass Gottes unverfügbares Wirken nicht unmittelbar oder exklusiv in einer bestimmten politischen Position aufgeht.
Sie möchten gerne mehr über die prämierte Arbeit von Mirjam Gabler erfahren?
MG/TN

